«Die Pflanzen sind ein Spiegel von mir»

autor michael 2 «Die Pflanzen sind ein Spiegel von mir»

Ich will nicht, dass die Welt vor die Hunde geht. Ich schaue, dass ich kein Müll auf den Boden schmeisse. Ein klassischer Naturliebhaber bin ich nicht. Ich mag die Natur. Das konsequente Denken von anderen, wenn es um Natur und um Nachhaltigkeit geht, habe ich nicht. Menschen wie Guadalupe rütteln mich immer wieder wach. Auf feine und natürlich Art.

Als wir sie trafen, wusste Guadalupe nicht mehr, dass wir uns zum Gespräch verabredet hatten. Sie habe noch ein kleines Fotoshooting. Kein Problem. Sie setzte sich hin und nahm sich Zeit.
Wir verabredeten uns, um über die Escuela de la Tierra zu reden. Da wusste ich noch nicht, wer sie ist. Am Ende des Gesprächs werde ich es erfahren. 

JETZT ÄNDERE ICH MEIN LEBEN

Guadalupe hatte drei Mal Krebs. Jedesmal sprang sie dem Tod von der Schippe. Und beim dritten Mal entschied sie sich: «Jetzt ändere ich mein Leben. Radikal.» Sie zog von der lauten Stadt mit der hässlichen Luft auf das Land mit der Stille, dem Frieden und einer Luft, die zum Atmen ist.

EINE NEUE PERSPEKTIVE

Sie suchte eine andere Perspektive. Eine andere Richtung, einen anderen Antrieb für ihr Leben. Sie, die mit elf Geschwistern in den ärmsten Verhältnissen aufwuchs. Sie, die viel reiste und viel von der Welt sah. Gaudalupe wohnt jetzt auf dem Land, in einem einfachen Holzhaus. Umgeben von den Geräuschen der Natur. Pflanzen, Erde und Ruhe.

IM RHYTHMUS DER NATUR

Das Land ändere den Fokus, meint sie. Weg vom Geld, hin zum Leben. Hin zum biologischen Rhythmus. Guadalupe steht morgens um fünf Uhr auf. Dann, wenn in Costa Rica die Sonne aufgeht. Ihre Gesundheit dankt es ihr. Sie kann besser atmen, sie hat einen klareren Kopf. Der Stress des Lebens sei weg, erzählt sie.

MIT DER NATUR LEBEN - NICHT VON IHR

Guadalupe ist keine Frau, die sich um nichts als ihre Gesundheit kümmert. Nein, Guadalupe versucht in dem kleinen Dorf, in dem sie lebt – der Longo Mai – einen Unterschied zu machen. Sie will den Kindern des Dorfes und ihren Familien vermitteln, dass die Natur eine Chance ist. Ihnen die Chancen erklären, mit der Natur zu leben. Und nicht von der Natur zu leben.

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«DIE PFLANZEN SIND EIN SPIEGEL VON MIR»

Vor Guadalupes Haus prankt ein riesiger Garten. Sie selbst arbeitet nicht oft darin. Der Garten ist für diejenigen, die von Ihr lernen. Sie hilft ihnen dabei, die Pflanzen besser zu verstehen. Sie essen zusammen die Früchte und das Gemüse aus eigenem Anbau. Die Jungen und die Kinder sind offen für diese Art zu leben. Die Eltern verharren im einfachen Denken: Die Natur gibt uns Nahrung und fertig. Guadalupe glaubt, dass es viel weiter geht. «Die Pflanzen sind ein Spiegel von mir.» Erklärt sie. In mir schwirren Fragezeichen.

NEUE CHANCEN

Eine junge Frau ist regelmässig bei Guadalupe zu Besuch. Caroline. Caroline fehlen die Möglichkeiten das Gymnasium zu absolvieren. Das Geld fehlt der Familie. Dafür hilft sie Guadalupe im Haushalt. Sie macht das, was 100 Generationen vorher machten. Guadalupe hilft ihr dabei, neue Dinge zu entdecken. Sie erklärt ihr, wie sie Seife selbst herstellt. Das kostet weniger und ist natürlicher. Caroline lernt etwas, auch wenn sie nicht mehr zur Schule geht.

DIE MENSCHEN IN COSTA RICA

Viele Familien sehen es nicht gerne, was Guadalupe macht. Dass die Familien zurückhaltend sind, hat viel mit der Gesellschaft in Costa Rica zu tun. Die Spanier hätten diese Kultur hervorgebracht. Die Besetzung hinterliess tiefe Spuren.

Viele Menschen in Costa Rica, meint Guadalupe, haben die Einstellung: Mach das, was nötig ist und wende dabei nicht zu viel Kraft auf. Und sei immer einverstanden. Diese Haltung brachte die Ticos durch die Besetzung. Und sie ist immer noch in ihnen drin.

DIE FLÜCHTLINGE DER LONGO MAI

Darum, glaubt Guadalupe, seien die Menschen in Ihrem Dorf nicht dazu bereit, einen Schritt weiter zu gehen. Noch mehr in Einklang mit der Natur zu leben. Es würde ihnen helfen, mit ihrer Armut besser klar zu kommen.

Die Menschen in ihren Dorf, der Longo Mai, sind alles Flüchtlinge. Als sie hier ankamen, bekamen sie alles. Die UNO, die Amerikaner, verschiedene NGO`s hätten diese Menschen mit Allem versorgt.
Die Menschen vermischten sich mit der Gesellschaft der Ticos und dann sei die Sauce gemacht. Passive Menschen, die zu sich selbst schauen und die Haltung haben, dass andere für sie liefern.

EINE FRAU, DIE ANECKT

Hinzu kommt, dass das Land mehr und mehr den Amerikanern gehört. All die grossen Firmen und die Politiker wären entweder verbandelt oder gekauft. Das Land gibt sich selbst auf – ein bisschen wie die Menschen darin.

Guadalupe ist mit dieser Einstellung keine gekürte Dorfkönigin. Sie eckt an und sie hat nur wenige Freunde. Dafür merke sie, dass sich in der Jugend etwas tue. Das macht ihr Freude. Sagt sie und meint, jetzt muss sie das Fotoshooting machen.
«Was für ein Foto?» Frage ich.
Costa Rica will eine Briefmarke mit ihrem Gesicht machen.
«Warum?»
Sie meint, sie würde es mir nach dem Fotoshooting erklären.

EIN STAR IN COSTA RICA

Nach dem Fotoshooting setzt sich Guadalupe mit der Gitarre hin. Sie stimmt ein Lied an. Ich höre ihr zu. Eine Frau singt und spielt voller Leidenschaft. Wunderschön. Ehrlich, authentisch und einzigartig. Einzigartig, dass ich zum ersten Mal ein Lied höre und denke: Da singt die Natur.
Guadalupe hält sich bedeckt. Später lese ich in Google nach, dass sie eine bekannte Sängerin in Costa Rica ist.

Eine bekannte Stimme, die ihr Land bereichert. Nicht nur mit ihrer Musik.

Mit ihrem Denken, ihrem Sein und ihrer Escuela de la Tierra – der Schule der Erde – dem Grund unseres Interviews, das ich im Gespräch mit dieser Frau komplett vergass.

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