Durch den Tropenregen zu den Ureinwohnern

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Nach unserer Fahrradpanne erwachten wir am 18. November 2017 in San Jose. Mitten in der Stadt, zwischen Abgasen, Gehupe und anderen Hostelgästen in unserem Massenschlag. Big City Life.

NICHT MEIN TRAUMLEBEN

In einem Massenschlag zu nächtigen und im Hinterhof mein Training zu machen, ist nicht mein Traumleben. Ich stellte meine Kontaktlinsen neben ein Bett, in das mitten in der Nacht ein Backpacker einkehrte. Er schlief, als ich die Linsen holte und erwachte prompt und laut: «What the f* are you doing?»

DER ÄNGSTLICHE ANDREAS

Nach Pancakes, Ananas und Bananen fuhren wir mit bepackten Fahrrädern los. Mit unserem Bikerhelden Andreas.

Ein netter Typ, der sich vor allem ängstigte. Davor, dass wir mit den Kindern reisen, davor, dass wir kein Zuhause haben und dass Mirjam beim Fahrradfahren Jeans trägt. Wir fuhren mit allen Sorgen und Bedenken los. Mitten durch die verpestete Luft und die lärmige Agglomeration Wir fühlten uns sicher. Die Autos hielten Abstand und überholen fair.

Nach etwa zehn Kilometern springt Andreas ab. Immer noch Angst?

EIN KLARES ZIEL?

Ehe wir die steilen Strassen im wahrsten Sinne des Wortes betraten, assen wir bei einer Latina Mama…Fleisch. Kein Menü, keine Portion ohne Fleisch in diesem Land. Vegan war gestern. Wir tranken Fruchtsaft ohne Zucker, Kaffee ohne Zucker und la latina mama fand uns komisch.

Wir fuhren weiter mit einem klaren Ziel: Quitirrisis. Ein Dorf in den Bergen. Ein Dorf, ein Reservat für die indigenen Ureinwohner Costa Ricas. Wir sollten bei dem Projekt, das sich für die indigenen Völker einsetzt, nächtigen.

Wir erreichten unterwegs den Projektleiter per Telefon nicht und versuchten auf gut Glück nach Quitirrisi aufzubrechen. Da wussten wir noch nicht, dass der Projektleiter in Santa Ana sass.

MÜHSAM BERGAUF

Ab Ciudad Colon lag Quitirrisi und der Berg vor uns. Und von da an ging es nach oben. Ihr wisst: Ich machte den Marathon vor vier Wochen. In meinen Beinen sind 1800 Kilometer Renntraining gespeichert.

Auf dem Weg nach oben fühlte ich mich mit vier Fahrradaschen dem Nathans Schattenfahrrad wie eine 90 jährige Grossmutter beim Treppen steigen. Dieses Training war mörderisch. Mir fehlte Beinkraft, die schwüle Hitze tat ihren Rest und hin und wieder fuhr eine Dreckschleuder vorbei.

Immer wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt das Drama. In unserem Fall ein waschechter Tropenregen, knapp fünf Kilometer vor unserem Ziel.

TRAMPEN

Wir versuchten an einer Bushaltestelle trocken zu bleiben und die Kinder zu beruhigen. Der Busverkehr in Costa Rica wird uns das Leben retten.
Kurz vor dem Ziel schauten sich Joao und Mirjam verzweifelt an. Er: «Hitchhiking?» Sie. Nicken und Daumen raus. Der Himmel schüttete Eimer, es war kalt und die Dämmerung setzte ein.

Niemand hielt an.

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ÜBERRASCHENDE ANKUNFT

Ich setzte die etwas fröhlichere Elea auf das Schattenrad und machte einen auf Vater-Tochter-Zeit. Sie quietschte vergnügt, während die letzten Meter nach oben meine persönliche Hölle waren.

Als wir oben ankamen, fing das Suchen an. Wo ist das Reservat der Indigenen? Niemand wusste nichts. Und da kamen Joao, Mirjam und Nathan. Im Pick Up eines indigenen Ureinwohners. Willkommen. Bienvenido. Wir sind längst mittendrin. In Quitirrisi. Im Ureinwohner Camp.

EINEN SCHLAFPLATZ FINDEN

Und niemand wusste Bescheid?

Besser unwissend, als kriminell. Wir hatten wirklich Glück, meinte der Ureinwohner. Hier wimmele es vor Dieben und Kriminellen. Das ist, als ob jemand in Sibirien aus dem Flieger steigt und sagt hier sei es ein bisschen kühler.

Ich ging mit Elea in einen Supermarkt, kaufte Brot und Ananas und überlebte das Ganze. Womöglich wegen der Ananas, die hier oben nochmals ein Level besser sind, als in San Jose.

Da standen wir mit Ananas, Pick Up und einem Ureinwohner und fragten uns: Wo schlafen wir? Mitten im Dunkeln, im Dschungel, in den Bergen, im Camp der Ureinwohner.

UNSERE UNTERKUNFT

Der Sohn des Stammesführers, des Schamans, brachte uns im leerstehenden Haus seiner Eltern unter. Die Decke des Hauses war nur teilweise vorhanden. Eine wunderbare Sicht auf das verrottende Dach. Die Toilette war weder mit Spülung, noch mit Waschbecken ausgestattet. Dafür stand in der Dusche ein riesiger Kübel mit Regenwasser und daneben zwei dreckige Kanister.

Dreckiger und spannender, als im Büro eines Projektleiters.

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KULTURSCHOCK

Die Welt eine andere. Eine andere, als die in Europa. Eine andere, als die ein paar stunden zuvor in San Jose. Und da, zwischen schimmelnden Wänden und bröckelnder Decke, sprachen wir das erste Mal von einem Kulturschock.

Der Sohn des Schamanen setzte sich zu uns, als wir Spaghetti mit Regenwasser genossen. Mirjam stellte die saloppe Frage, was die Geschichte seiner Famillie ist. Seine Antwort: Eine traurige. Er erzählte sie uns.

Und wir erzählen sie euch. Nächsten Mittwoch. Wenn wir leben. Und Wi-Fi haben. Vielleicht.

 

Bei den Schamanen
Untrainiert auf einer Weltreise mit Fahrrad

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