Eine flüchtige Heimkehr

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Monatelang kurvten wir mit Fahrrad durch Zentralamerika und die Karibik. Monatelang assen wir Reis mit Bohnen und tranken unzählige «jugos de pina». Ananassaft. Monatelang war Deutschland ein weit entfernter Punkt auf dem Globus. Weit entfernt von uns. Und jetzt – mitten auf hoher See – war unsere Heimat ein Punkt, der immer näher rückte.

Nach drei Millionen 746 Tausend und 834 Wellen kamen wir in Kiel an.

ENDSTATION

Heimatgefühle kamen Tage zuvor auf. Als wir mit unserem dekadenten Riesenschiff an Frankreich, England und den Niederlande vorbei schipperten. Und dann war Endstation und es hiess: Austeigen, Taxi an den Bahnhof und mit Vollgas Richtung Basel.

 

Mit uns die vier Fahrradtaschen Gepäck plus ein paar Andenken für die Familie. Wir freuten uns.

Irgendwie. Die Realität wieder in Europa, in Deutschland zu sein, drückte sich uns so unmittelbar auf, dass wir es nicht fassten.

WIEDER DA

Die perfekt gebauten Häuser. Die sauberen Strassen. Die weissen Leute. Das platte Deutsch.

 

Da waren wir wieder. In der wohlbekannten Heimat. Ohne unsere Fahrräder. Mit unzähligen Erinnerungen. Und mit der nagenden Planlosigkeit: Was jetzt?

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ALLES IST OFFEN

Klar, wir mussten zurück in die Heimat, damit Mirjam ihre letzte Prüfung für das Studium beendet. Und wir kehrten zurück, weil unser Budget schneller aufgebracht war, als geplant.

 

Panama war wider Erwarten teuer. Und auch die Dominikanische Republik frass ihre Löcher in unser Budget. Geld regiert die Welt. Und «Weltreisende».

 

Wie es weiter geht? Völlig offen.

VIELE FRAGEN

Dort in der Nähe von Basel wohnen Mirjams Eltern. Ihr Elternhaus war unser Ziel. Wir würden dort zwei Wochen bleiben und dann weiter nach Israel reisen. Und danach?

 

Wir schleppten unsere müden Körper und unser Gepäck, all unseren Besitz, in das Haus von Mirjams Eltern. Die Strassen, das Haus, die Menschen – alles wie immer. Zurück im alten Leben. Oder? Du bist unmittelbar wieder in deiner gewohnten alten Umgebung. Du kennst alles, du weisst, wo du einkaufst, wie du deine Lieben begrüsst, wo das Essen gut schmeckt. Du bist wieder genau am selben Punkt. Wir waren wieder genau dort, wo wir im Herbst vor sechs Monaten aufbrachen. Oder?

ALLES ANDERS

Äusserlich war alles anders. Innerlich waren wir durchwühlt mit Erfahrungen, Erinnerungen und Abenteuern.

 

Als wir damals aufbrachen in die weite Welt, fragten uns einige Leute immer wieder, warum wir nicht bleiben. Anderswo ist es nicht besser. Das stimmt. Ich nervte mich und war doch fasziniert an dem Anderen. Besser war es nicht. Es war anders.

EINE FLUCHT?

Für mich persönlich war die Reise eine Flucht. Je länger ich darüber nachdenke, desto klar wird mir: Ich floh. Mein Leben fing 1986 an und 2017 befand sich um mich herum eine riesige Blase. Alles, was sich ansammelte über die Jahre. Beziehungen zu Familie, Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen. Meine Einstellungen zur Gesellschaft, zur Politik, mein Glaube, mein Rucksack an Fähigkeiten, meine Erfahrungen im Umgang mit Menschen und Themen, Geschichte, die mit Freude, Trauer oder gemischten Gefühlen verbunden waren.

EIN NEUER BLICKWINKEL

Jetzt war ich wieder zurück. Und nein, die Blase war nicht weg. Sie war gefüllt mit Neuem. Mit anderen Dingen, die ich auf unserer Reise lernte. Mit Erfahrungen, die mich lehrten, die ein oder anderen Sachen aus einem anderen Blickwinkel heraus zu sehen.

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