Elea und die Wellen

autor mirjam Elea und die Wellen

Elea ist ein unerschrockenes und lebensfrohes Mädchen. Eine Anekdote aus ihrem Leben verdeutlicht das: Sie war knapp zwei Jahre alt, als ich sie auf dem Spielplatz suchte und sie Sekunden später unter Schrecken fand: Auf dem riesigen Klettergerüst, auf das sich oft nicht einmal Sechsjährige trauen.

Wenn sie die Welt erkundet, rufen uns alle hinterher: «Aufpassen!» Wir zucken dann immer mit der Schulter. Wir sind an den Herzstillstand gewöhnt. Und wir wissen mittlerweile, dass Elea Gefahren anzieht, wie die Motten das Licht. Und abgesehen von ein paar blauen Flecken hier und da, kam sie immer gut davon.

AM STRAND VON PARRITA

Darum war es für uns besonders schlimm, dass Elea eine riesige Angst vor dem Meer entwickelte. Elea liebt das Wasser. Im Sommer stellte ich das Plantschbecken für sie alleine auf. Im Schwimmbad war sie nicht vom Becken wegzukriegen. Und im Winter nicht aus der Badewanne. Und das alles änderte sich, als ihr Papa und ihr Bruder vor ein paar Wochen in Parrita ins Meer gingen.

passende beiträge Elea und die Wellen

BTW, PASSENDER BEITRAG:

Mein Sohn, die Wellen und ich

PAPA UND BRUDER IN DEN WELLEN

Der Strand in Parrita war der erste, den wir auf unserer Weltreise besuchten. Er war menschenleer, wunderschön und die Wellen waren faszinierend. Faszinierend hoch. Wir dachten, wenn wir nicht zu weit hinaus schwimmen, ist das kein Problem. Elea spielte im Sand. Dort, wo die Wellen auf den Strand schwappen und das Wasser nicht über die Knöchel reicht. Dort sass sie, als ihre Mama zu schreien begann. Sie schrie um Hilfe, weil Papa und Nathan in die Gewalt der Wellen gerieten.

ELEA ALLEINE AM STRAND

Das Erlebnis war für mich beinahe traumatisierend. Ich besprach dieses Erlebnis oft mit Michael. Und ich glaube, für mich war die Situation schlimmer, als für ihn. Ich sah im Gegensatz zu ihm, den Schrecken von weitem. Die Bilder gingen mir lange nicht mehr aus dem Kopf. Zu diesem Moment dachte ich, das war es. Aus und vorbei. Sie sahen nicht aus, als könnten sie sich aus der Gewalt der Wellen befreien.

 

Und ich stand hüfthoch im Wasser und schrie mir die Kräfte aus dem Leib. Ich schrie um Hilfe. Und ich hörte Elea hinter mir weinen. Hätte ich zu ihr gehen und sie in den Arm nehmen sollen? Rückblickend betrachtet wäre das besser gewesen.

ELEA UND DIE WELLEN

Alles ging gut aus. Ehe das Happy End da war, dachte ich nicht an meine weinende Elea, sondern an Nathan und seinen Papa in den Wellen. Und daran, dass ich sie auf keinen Fall hier und jetzt verlieren möchte.

 

Wenn das Erlebnis für mich schrecklich war, wie muss es für ein kleines dreijähriges Mädchen sein? Ein kleines Mädchen, die Papa und Bruder zwischen den Wellen kämpfen und ihre Mama verzweifelt um Hilfe schreien sieht? Für Elea war der Schrecken am heftigsten. Ohne Zweifel.

DIE ANGST SITZT FEST

Sie näherte sich seit diesem Erlebnis nicht auf 100 Meter dem Meer. Ihre Angst war gewaltig. Der Schrecken hatte sie und ihr Verhältnis zum Wasser, zum Meer verändert. Das mutige, unerschrockene Mädchen schrie aus Leibeskräften, wenn wir mit ihr ans Meer gingen. Selbst dann, wenn das Meer in einer Bucht lag und die Wellen winzig klein waren.

UNSER GLÜCK

Alle Versuche, sie wieder ans das Meer zu gewöhnen, versandeten in ihrer Angst. Mir tat das unendlich leid. Ich bin der Überzeugung, dass die Situation in Parrita viel schlimmer hätte enden können. Und ich dachte, dass wir unendliches Glück hatten, gemeinsam als Familie den Strand und das Meer aufs Neue zu geniessen. Und ich wollte, dass Elea dieses Glück mit uns geniesst.  

UNERSCHROCKEN UND MUTIG

Dass Elea diese Angst entwickelte, ist mehr als verständlich. Ich wusste, dass wenn sie die Angst nicht verliert, sie noch als Erwachsene das Meer meiden wird. Selbst ein mutiges und lebensfrohes Mädchen wie Elea. Ich wünsche mir für sie, dass sie unerschrocken bleibt. Ihre Ängste überwindet. Lernt, was es heisst, mutig durch ihr Leben zu gehen.

EIN NEUES SPIEL

An dem Strand mit den winzig kleinen Wellen nahm ich ihre Hand und füllte sie mit Sand. Dann nahm ich selbst eine handvoll Sand und schmiss sie wütend ins Meer. «Nehmt das.» Schrie ich. Dann schwappte eine Welle an den Strand und ich fiel schreiend zu Boden. Die Welle kämpfte gegen mich. Ich stand auf und kämpfte zurück. Mit mehr Sand und noch mehr Geschrei. Wir entwickelten ein lustiges Spiel. Wir waren die Helden. Die Wellen waren die Bösewichte.

ÄNGSTE ÜBERWINDEN

Elea lernte ihre Angst mit einem Spiel zu überwinden. Indem sie in eine neue Rolle schlüpfte und die Wellen zu Spielkameraden machte, anstatt vor ihnen davonzulaufen. Und als ich sah, wie Elea in wenigen Minuten ihre Angst im Spiel verlor, fragte ich mich, welche Ängste wir Erwachsene überwinden könnten, wenn wir etwas häufiger wie Kinder wären.

Unser Flug in die Karibik
Acht Dinge, die auf Weltreise nicht funktionieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hi, wir sind Familie Mettler <3



Wir sind eine Familie auf Weltreise mit Zelt, Fahrrad und Kindern.
Lerne uns kennen, indem du unseren Blogs,
Vlogs und Podcasts folgst.
Ja, und natürlich uns auf Social Media.

FacebookTwitterGoogleInstagramYoutubePinterest

Hier findest du unsere Reiseroute:

San Jose

Hol dir unseren Newsletter:

Unterstütze uns

Du willst uns auf unserer Reise und unseren Projekten unterstützen? Spendier uns einen Kaffee mit PayPal:

Yeah, uns gibt es auch offline;)