Grosses Entrümpeln

autor mirjam Grosses Entrümpeln

Wir haben keinen gigantischen Berg an Hausrat. Keine Lawine, die uns überrollt, jetzt da wir alles entrümpeln. Verhältnismässig sind wir eher Minimalisten – auf tiefem Niveau. Minimalisten, die – im Verhältnis zu herkömmlichen Haushalten – wenig haben.

WAS WIR BESITZEN

Als Vergleich: Unsere Nachbarn vollzogen vier Tage lang einen Umzugs-Marathon. Mit gefühlt 80 Lastwagen, die ihren Krempel vorbei brachten. Kein Wunder sahen wir uns stets total im Trend von «simplify your life».

 

Jetzt kommt der Faustschlag: Im Vergleich zu dem, was wir auf unsere Weltreise mitnehmen, sind wir ein Messi-Haushalt. Das Gefühl überkommt mich, seit ich sichtbar und greifbar unseren Besitz aus seinen Verstecken hervor hole. Da tun sich Abgründe auf. Abgründe aus Bergen. Berge von Kram und Plunder und Dingen.

UMZUG ODER WELTREISE?

Ich bin in Sachen Entrümpeln keineswegs jungfräulich. Dafür veranstalteten Michael und ich zu viele Umzüge. Die totale Auflösung des Haushalts ist damit nicht zu vergleichen. Die Menge dessen, was ich bei einem Umzug ausmisten würde, macht kaum einen Zehntel dessen aus, was ich jetzt in die ewigen Jagdgründe schicke.

 

Und Woche für Woche kamen neue Abholer und Käufer. Und während ich sie mit meinen Sachen zur Tür hinauslaufen sah, dachte ich: «Jetzt habe ich praktisch nichts mehr». Bis ich mich umdrehte und mir eine Kolonie aus Krimskrams schämisch zuwinkte. Ich fiel in die Tiefen der Abgründe. In ein Meer aus Zeug. Unendlich viel Zeug.

RADIKAL AUSMISTEN

Mir blieb nichts erspart: Ich wurde systematisch und pragmatisch. Und allem voran: Eiskalt. Ich warf ohne Erbarmen weg, verschenkte und verkaufte ohne zu Zögern.

 

Neben Kindern und dem Planen der Weltreise blieb keine Zeit, stundenlang vor Schränken zu stehen und mir zu überlegen, wie und wo ich Sachen aufbewahre und was ich entrümpeln will.

DREI KATEGORIEN BEIM ENTRÜMPELN

Wie gesagt, trennst du dich logischerweise bei einer Weltreise von mehr Sachen, als bei einem Umzug. Bei einem Umzug wirst du die Dinge los, von denen du dir gar nicht mehr bewusst warst, dass du sie besitzt.

 

Beim Entrümpeln gibt es drei Kategorien:

 

  • Mitnehmen
  • Zwischenlagern
  • Wegschmeissen

KATEGORIE EINS

Und bei einer Fahrradreise um die Welt, ist das mit dem Mitnehmen ein Fall für sich. Sprich: Die erste Kategorie passt in zwei Rucksäcke. Das heisst, ich entscheide mich für drei Paar Shorts. Die restlichen Hosen miste ich aus.

 

Für unsere Kleider besorgten wir uns Vakuumtaschen, die bis zu 90 % Platz einsparen – und die Wäsche sauber halten.

KATEGORIE ZWEI

Die zweite Kategorie, das Zwischenlagern, ist nicht viel einfacher. Viele Freunde boten mir an, meine Sachen bei ihnen unterzubringen. Das ist verlockend. Der Nachteil: Du bist weiterhin für sie verantwortlich – spätestens nach deiner Rückkehr. Und brauchst den Überblick darüber, bei wem du was zwischenlagerst.

 

Die beste Variante ist, wenn Freunde oder Verwandte deine Sachen weiterverwenden. Michaels Bruder freute sich über unser Doppelbett. Eine befreundete Flüchtlingsfamilie über den Fernseher. Und meinem süssen Neffen schenkte ich das selbst gebastelte Puppenhaus.

KATEGORIE DREI

Nun zur heikelsten Kategorie: Dem ewigen Lebewohl. Dem Wegschmeissen.

 

Wir hatten den Vorteil, dass unsere Wohnung gross genug war, um alles in Zimmern zu unterteilen. Das erleichterte das System: Was definitiv weg kam, stellten wir in den Keller Was im Übrigen bedeutet, erst einmal den Keller auszuräumen. Ha ha.

 

Was gut erhalten war und wir verkauften oder verschenkten, kam in ein freistehendes Zimmer.  Falls bei dir der Platz nicht ausreicht, verpackst du es in Kartons und beschriftest sie mit «verkaufen» oder «verschenken».

GARAGE SALE

Wir machten bei uns daheim einen auf Garage Sale. Es machte mir Freude, meine Dekorationen zu verkaufen und zu sehen, wie sich andere über diese Unikate freuten. Das war definitiv Balsam, der mich darüber hinweg tröstete, all meine Sachen wegzugeben.

DER FRÜHE VOGEL

Der Zauberspruch lautet: Früh beginnen. Es ist einfacher zu entrümpeln, wenn Sachen nach und nach aufrücken. Die verkaufte Spielküche beispielsweise füllte unser Portemonnaie und machte Platz für weitere Spielsachen, die unsere Kinder nicht mehr benutzten.

SIEBEN TIPPS BEIM ENTRÜMPELN

icon add white Grosses Entrümpeln icon less white Grosses Entrümpeln Früh anfangen

Nach und nach zu verkaufen, ist weniger stressig, als einen Monat vor der Abreise alles loszuwerden. Insbesondere für die Kinder war es einfacher sich daran zu gewöhnen, dass wir Dinge verkaufen oder verschenken.

icon add white Grosses Entrümpeln icon less white Grosses Entrümpeln Ausmisten mit System

Ich bin kein Fan von systematischem Vorgehen. Ohne wird es hier schwierig. Nach welchen Kriterien mistest du aus? Was lagerst du ein? Und wie behältst du den Überblick? Es hilft Sachen, die wegkommen, früh genug an einem bestimmten Ort zu lagern.

icon add white Grosses Entrümpeln icon less white Grosses Entrümpeln Was brauche ich wirklich?

Den Haushalt aufzulösen, zwingt dich eine Antwort auf die Frage zu finden, was du wirklich brauchst.

icon add white Grosses Entrümpeln icon less white Grosses Entrümpeln Was brauchen andere?

Das ist, finde ich, die beste Variante überhaupt. Wenn jemand deiner Freunde oder jemand aus deiner Familie etwas von deinem Hausrat gebrauchen kann, ist es ein schönes Gefühl zu wissen, dass es an einem anderen Ort «weiter lebt».

icon add white Grosses Entrümpeln icon less white Grosses Entrümpeln Reisegeld sparen

Ein toller Nebeneffekt ist es, wenn der Hausrat die Reisekasse sponsert.

icon add white Grosses Entrümpeln icon less white Grosses Entrümpeln Nach vorne blicken

Fokussier dich auf das was kommt, nicht darauf, was war. Die Sachen, an denen du lange Freude hattest, räumen den Platz für etwas, woran du viel mehr Freude haben wirst.

icon add white Grosses Entrümpeln icon less white Grosses Entrümpeln Eine Abschiedsparty

Wir laden gegen Ende all unsere Freunde und Bekannte ein. Und wir laden sie ein unseren restlichen Krempel mitzunehmen und ein paar Groschen für unsere Reisekasse zu spenden.

DER ABSCHIED VOR DER WELTREISE

Drei Tage vor unserer Ausreise findet eine grosse Abschiedsparty statt, an der unsere Gäste die letzten Überbleibsel unseres Haushalts mitnehmen. Ich freue mich darauf das letzte Mal. all unsere Freunde und Bekannte und unsere Familie zu sehen.

 

Und ich freue mich darauf, am Tag, an dem unsere Weltreise beginnt, kaum noch etwas zu besitzen. Ausser einer Zukunft, in die wir mit zwei Rucksäcken starten.

Eine Weltreise, ihre Kosten und unser Plan B
Mit seiner Familie auf Weltreise - Michael

2 Bemerkungen

  • Danica sagt:

    Ich hoffe ihr konntet gut ausmisten. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht einfach ist. Ich selber miste gerne ein paar Mal im Jahr aus, aber dann hald nicht von allem, und doch schmeisse ich jedes Mal einen 110 Liter Sack weg.
    Vieles wird verschenkt bzw. weiter gegeben, ich finde es ein schönes Gefühl, wenn man andern eine Freude machen kann und es tut der Seele wirklich gut, wenn man ausmisten kann, danach hat man wieder Luft und fühlt sich leicht und frei.

    • MettlerfamilyMettlerfamily sagt:

      Das erlebe ich genauso. Es befreit wirklich. Mittlerweile ist aber wirklich so wenig übrig, dass ich es kaum erwarten kann, den Platz mit Neuem zu füllen: Erlebnissen auf der Reise 🙂

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