Härter als der Marathon

autor michael 2 Härter als der Marathon

Wir sind verrückt. Vor kurzem schrieb mir eine Person, dass ich ihr immer suspekt gewesen sei. Wir hätten nicht alle Tassen im Schrank, weil wir als Familie auf Weltreise mit Fahrrad und Zelt gehen. Das wir verrückt sind, beweise ich immer wieder gerne. Beispielsweise mit dem folgenden Reisetag.

NACH SAN ISIDRO MIT DEM FAHRRAD

Von Dominical nach Longo Mai sind es 71 Kilometer. Longo Mai hiess der Bauernhof, an dem wir unterkommen sollten. Unser Ziel war es, den Circo Fantazztico in San Isidro zu besuchen. Von San Isidro nach Longo Mai waren es noch einmal 37 Kilometer.
Darum nahm ich mir vor die Strecke nach San Isidro mit dem Fahrrad zu bestreiten. Mit dem Fahrrad, mit Nathan und zwei Fahrradtaschen. 35 Kilometer.

Die besondere Herausforderung: 1429 Höhenmeter aufwärts. Wer denkt, das sei wahnsinnig, irrt sich. Das ist eine Sache für Doping. Oder für Verrückte. Die Hitze lag beim Start bei 28 Grad und die Luftfeuchtigkeit bei 88%. Und wir starteten am Morgen um zehn Uhr.

EIN ENTSPANNTER START

Wir starteten in Dominical von Danyasa aus. Dort schliefen wir zwei Nächte und erholten uns.

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Mirjam und Elea blieben zurück, um – gescheit wie Frauen sind – mit dem Bus nachzukommen. Das war die bessere Wahl. Nach fünf flachen Kilometern, waren wir plitschnass. Und dann ging es mit der Steigung los. Nathan entschied gemütlich mitzufahren und nicht in die Pedale zu treten. Nach weiteren fünf Kilometern hielten wir bei einem Früchteverkäufer an und probierten die Bananen, assen Äpfel und genossen die Papaya direkt vor Ort. Besser als jedes Restaurant.

DIE FÜNF HARTEN KILOMETER

Danach kamen die fünf harten Kilometer. Nathan musste beissen – und nicht in etwas Essbares. Und das fehlte ihm hörbar. Meine Beine schrieen nach Erlösung.
Die bekamen sie im besten Soda (Restaurant) des Landes. Als Vorspeise ass ich einen Löffel voll Salz und dann kam das Casado – das traditionelle Menü aus Reis und Bohnen. Dieses Casado war wie ein Gedicht. Reis, Bohnen, gebratenes Huhn, Gemüse, Salat und frittierte Bananen.

UNFALL

Ich weiss, nach dem Essen gleich Sport zu machen ist eine Sünde. Wir bezahlten und fuhren weiter. Als wir auf die Fahrräder stiegen, sahen wir Mirjam und Elea mit dem Bus an uns vorbeifahren. Sie sahen uns nicht. Ich holte den Bus erst ein, als er im Stau stand. Irgendwo auf einer Passierstrasse. Das hiess nichts Gutes.

Mirjam sah uns und sah uns wohl an, dass wir eine harte Tour durchmachten: Steigt ein! Für mich war klar: Weiter geht’s. Und Nathan entschied sich klar dafür bei Papa zu bleiben. Mirjam feuerte uns an und wir drückten erneut auf’s Gas. Bis zum Ende des Staus. Dort lag er auf dem Mittelstreifen. Der Motorradfahrer. Er bewegte sich nicht. Um ihn herum 30 Menschen, die aussahen, als würde sie die Organisation des nächsten Dorffestes besprechen. Ich fuhr mit Nathan weiter. 50 Meter weiter schrie eine betagte Amerikanerin in ihr Hand: «Where ist the ambulance, where is the police?»

NATHAN AUF DEM FOLLOWME

Nathan sass hinten auf seinem Schattenfahrrad und stellte unendlich viele Fragen, während ich den Berg hinauf keuchte. «Nein, dem Mann geht es gut. Er muss in ein Krankenhaus. Dann geht es ihm bald besser.» Meine Knie waren weich. Alle 100 Meter hielt ich an. Gefühlt war es das härteste Training meines Lebens. Ich fühlte mich wie auf einer Bergetappe der Tour de France.

GESCHAFFT

Und dann waren wir oben. Geschafft. Die Hälfte des Berges lag hinter uns. Die andere Hälfte vor uns. Ich nahm einen Schluck Wasser und dann ging es bergab. Mit vollem Speed. Nathan hatte Spass und schrie vor Freude. Und die drei Liter Schweiss im T-Shirt trockneten wie im Flug.
Mein Salz fiel grosszügig auf die Strasse – freiwilliger Winterdienst. 40 Minuten später kamen wir in San Isidro an. Am Pizza Hut, wo wir Mirjam und Elea fanden, die gemütlich ein Stück Pizza assen.

DIE NÄCHSTE PANNE

Ende der Geschichte? Nein! Das war die erste Hälfte. Um vier Uhr nachmittags beschlossen wir ein paar Kilometer weiter Richtung Longo Mai zu fahren und uns unterwegs eine Unterkunft zu suchen. Das war der Plan.

Wir bepackten die Fahrräder und fuhren los. Ich fuhr mit Nathan vorraus und merkte nach etwa sieben Kilometern, dass Mirjam nicht mehr mitfuhr. Wir warteten etwa zehn Minuten, bis wir umdrehten. Nach etwa einem Kilometer sahen wir Mirjam und Elea an einer Bushaltestelle. Im Fahrradreifen steckte ein riesiger Nagel. Einen, den selbst der beste Schlauch nicht abgewehrt hätte.

TRANSPORT ZUR NÄCHSTEN WERKSTATT

Die Panne geschah direkt vor einem Supermarkt mit einem Parkplatz voll mit Pick-Ups. Mirjam fragte sich herum. «Si, mi amor.» Hörte ich einen älteren Herrn immer wieder sagen. Mirjam erklärte mir, dass er sie nicht bis zur Longo Mai fuhr. Dafür bringe er sie bis zur nächsten Werkstatt.

BRENDAN, DER KANADIER

Wir warteten neben einem blass aussehenden Autofahrer, der seine Reifen aufpumpte. «Wir haben dasselbe Problem, was?» Scherzte Mirjam auf Spanisch. Wir kamen mit ihm ins Gespräch und merkten schnell: Er ist ein Kanadier. Die Kanadier sind in Costa Rica eine kleine, feine Gesellschaft.

Wir erklärten Brendan, was wir machten, was passiert war und wo wir hinwollte.

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DIE FAHRT NACH LONGO MAI

Ein Fahrrad war möglich. Zwei waren schwierig. Vor mir lagen weitere 30 Kilometer.

«Wir sehen uns oben.» Nathan, Elea und Mirjam stiegen zu Brendan ins Auto und ich trat erneut in die Pedale. Nach der Bergtour mit Nathan ein entspanntes Ausrollen. Es war bereits dunkel.
Brendan liess mir einen sportlichen Vorsprung und überholte mich nach 15 Kilometern mit seinem lustigen Zirkus. Eine Schrottkarre mit kreischenden Kindern und einem Fahrrad auf dem Dach. Wie das befestigt wurde, blieb mir ein Rätsel.

DER LETZTE WEG MIT BRENDAN

Nach 30 Kilometern kam ich am Ziel an. Beziehungsweise fast.
Brendan wartete mit Auto und Freundin unten an der Strasse. «It’s steep, man.» Die Strasse sei steil und eine Art schlechter Wanderweg.
Hier war ich. Nach knapp 70 Kilometern. Und griff erschöpft nach Brendans Blechbüchse. Eine fantastische Kiste, die mich den ganzen Weg nach oben zog.

UNSERE ABUELA

Wir waren da. In Longo Mai. Die Kinder schliefen bei unserer Abuela, bei Grossmutter Edit, auf dem Sofa vor dem Fernseher.
Edit, eine Frau, über die sich Bücher füllen lassen. Für diesen Blog sei nicht mehr als gesagt, als: Ihr Abendessen war fantastisch.

Sie brachte uns in einem ihrer Häuser unter. Oder einem ihrer Ställe. Wände aus Holz, Toilette, Dusche und Betten – mehr brauchen wir nicht.

Ein Reisetag ging zu Ende. Mit 37 Kilometern mehr, als geplant.
Auf einer Finca, einem Bauernhof – einem anderen Planeten – der uns noch beschäftigen wird.

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