Helfen – ein dehnbarer Begriff

autor michael 2 Helfen ein dehnbarer Begriff

Unsere Gesellschaft, wir als Menschen, helfen einander. Immer wieder, auf unterschiedliche Weise. Weil «helfen» ein grobes Ziel unserer Weltreise ist, möchte dir dir darum erzählen, was helfen für mich bedeutet.

HELFEN - EIN ANBIETEN VON FÄHIGKEITEN

Ich habe Fähigkeiten, die andere Menschen nicht haben. Oder Möglichkeiten, die anderen verwehrt sind. Umgekehrt gilt das Gleiche: Manche Menschen haben Fähigkeiten, die ich nicht habe. Ein Ausländer beherrscht meine Sprache nicht. Dafür ist er handwerklich begabt. Ich nicht.

 

Helfen ist letzten Endes ein Anbieten von Fähigkeiten oder Möglichkeiten. Und es ist ein Wechselspiel. Helfen ist etwas, das unsere Welt zusammenhält. Uns Menschen zusammenhält. Ein Mensch kommt mit seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten nicht weit. Gemeinsam sieht das anders aus.

GRENZEN DES HELFENS

Zu helfen, wenn der Andere die Hilfe ablehnt, ist schwierig. Und ich kriege keine Hilfe, wenn der Andere mir keine anbietet. Ein Wechselspiel.

Ein kleines Beispiel: Im Asylzentrum in unserem Schweizer Dorf lebt ein jungen Mann aus Afghanistan. Ein Vorbild in Sachen Anstand und Freundlichkeit. Ein Mann, der für sein Alter relativ weise und erfahren ist.

 

Wir haben uns als Familie überlegt ihm Hilfe anzubieten, indem wir ihn als Untermieter aufnehmen. Er sagte nein.

NEIN SAGEN

Also boten wir es einem anderen Mann aus dem Zentrum an. Ein anderer junger Mann aus dem Asylzentrum ging oft mit mir joggen. Ein sympathischer, fröhlicher Mann (mit viel mehr Ausdauer als ich). Ich glaube er hätte sich über ein Wohnangebot gefreut. Mit einem Menschen Sport zu machen ist das Eine. Mit ihm zu leben etwas Anderes. Das Gefühl stimmte nicht.

 

Dieser Mann wünschte sich meine Hilfe. Und ich war nicht bereit sie ihm zu geben.

Helfen ist ein wichtiges gesellschaftliches Konzept. Ein Konzept mit Tücken. Hier und da ist Hilfe nicht erwünscht. Unter Umständen fehlt die Zeit, die Kraft, die Motivation. Diese Einschränkungen gehören dazu.

HELFEN HAT ETWAS LOGISCHES

Unser Vorsatz ist es uns zu überlegen: Wem helfen wir und wie? Und ist die Hilfe erwünscht?

 

Ich bin Pragmatiker. Helfen hat aus meiner Sicht etwas Logisches. Mirjam und ich engagierten uns in den letzten drei jahren im Asylbereich. Freunde und Bekannte lobten uns. «Toll, was ihr da macht. Ich bewundere euch.»

 

Ich komme mit Lob nicht klar. Es ist mir unangenehm. Kennst du das? Warum weiss ich nicht. Ich gehe Lobhudeleien lieber aus dem Weg. Daher überlegte ich mir eine Antwort auf solche Vorschusslorbeeren. Und diese Antwort meine ich bitterernst.

REINE INVESTITION

Ich helfe nicht, um meinen Seelenfrieden zu optimieren. Um ein besserer Menschen zu werden. Ich helfe im Asylbereich aus reinen Investitionsgründen. Ich gehe das Ganze an wie jemand, der in eine Firma investiert, eine Immobilie kauft oder sein Erbe in einen Fonds einzahlt.

PROBLEMLÖSUNGSSTRATEGIE

Stell dir vor: Der Asylant kommt in die Schweiz. Er hat keinen blassen Schimmer von unseren Höflichkeitsregeln. Er weiss nichts von unserem Stolz auf Käse und davon wieviel Steuern wir zahlen. Und davon, was für einen Haufen Steuergelder er uns selbst kostet.

 

Schön wäre es, wenn er wüsste, wie das Leben hier funktioniert. Und wenn er eines schönen Tages selbst Steuern bezahlen würde. Das würde eine Menge Probleme lösen.

WIE WIR FLÜCHTLINGEN HELFEN

Fazit: Ich gebe einem Asylbewerber einen Platz in meiner Wohnung. Er bekommt mit, wie wir als Familie leben (alleine das ist ein riesiger Unterschied zum Familienleben, das er von seinem Herkunftsland her kennt).

 

Er sieht, wie wir als Ehepaar funktionieren und wie wir die Müllentsorgung realisieren. Wie wir essen, was und vor allem wann. Er durchblickt, wer die Arztrechnungen bezahlt. Er lernt unsere Sprache und unsere Arbeitsmoral. All das läuft hoffentlich darauf hinaus, dass sich unsere Investition in Zukunft rentiert.

 

Finanziell, gesellschaftlich. Und natürlich spielt das Menschliche eine Rolle. Für uns alle. Ich gehe nicht gross darauf ein – Mirjam übernimmt diesen sentimentalen Teil 😉

DIE FRAGE NACH DEM WARUM

Ich weiss nur, dass wir uns am Wochenende nie fragten, ob Kino oder Cafê. Sondern wir überlegten, wem wir einen Besuch abstatten. Wir verbringen gerne Zeit mit Menschen. Und ich hoffe, dass wir auf unserer Weltreise in diesem Bedürfnis mehr befriedigt werden, als in der Schweiz. Somit soll das Ganze für uns rentieren. Eine Win-Win-Situation.

PROFIT UND NEUGIER

Ich hoffe, wir profitieren durch dieses Vorhaben unendlich. Indem wir neue Sichtweisen gewinnen, durch das, was die Menschen beschäftigt, was sie denken. Ich habe vor zu helfen und zu wachsen.

 

Mein Fokus ist immer die Frage, wie wir helfen. Welche Grenzen wir setzen. Und wann wir sie erweitern. Klar, wir bezwecken unser Leben mit anderen Menschen teilen.

 

Neben all der Kultur, der Natur und der Faszination einer Weltreise, sind wir vor allem neugierig auf die Menschen, denen wir auf begegnen.

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