Meine Familiengeschichte und ein Abschied, der nahe geht

autor michael 2 Meine Familiengeschichte und ein Abschied, der nahe geht

In den zwei letzten Jahren war ich oft bei meinen Grosseltern väterlicherseits zu Besuch. Zum Teil mehrmals die Woche. Ich redete mit meinen Grosseltern, lud mich zum Mittagessen ein und arbeitete im Home Office.

Ich fand es wichtig, sie zu besuchen, wann immer mir das möglich war. Und natürlich ist es besser dort zu arbeiten, als irgendwo in einem Café.

ISOLIERT IN EINER SEKTE

Kommt hinzu, dass die Vergangenheit meiner Grosseltern und mir speziell und schwierig war. Meine Eltern waren in christlichen Kreisen unterwegs und wir landeten als Familie eines Tages in einem sektenähnlichen Konstrukt.

Eine Folge davon war, dass wir uns von der «Aussenwelt» abschirmten. Sprich: Sechs Jahre hatte meine Familie, wir Kinder, keinen Kontakt zu den Grosseltern, bei denen wir vorher oft zu Besuch waren.

ENDE DER SEKTENZEIT

Nach einigen Jahren entschieden sich meine Eltern zum Glück sich aus dieser Sekte zu verabschieden und damit war die «Aussenwelt» wieder erreichbar. Wir nahmen den Kontakt zu den Grosseltern wieder auf und die waren überglücklich. Die Ferien verbrachte ich seither oft bei den Grosseltern, zusammen mit meinen Cousins.

MEINE FAMILIE UND DIE GROSSELTERN

Jahre vergingen und nun habe ich selber eine Familie. Meine Kinder sind der ganze Stolz der Ugrosseltern. Nathan liebt den Salat und das Gemüse aus dem Garten seiner Grossmutter. Elea bringt die Grossmutter im Fünf-Minutentakt auf die Palme, weil ihr der Sinn nicht nach Familienbande, sondern nach Freiheit steht.

 

Meine Grossmutter liebt beide heiss und innig und wir können jederzeit vorbeikommen. Kommen wir nicht, ruft sie an und fragt, wann die Urenkel (der Enkel ist nicht mehr wichtig) wieder vorbeikommen. Der Grossvater erzählt allen, wie viele Kinder, Gross- und Urgrosskinder er zu seiner Familie zählt. Und er ist froh, wenn er wieder die Ruhe geniesst – alleine mit seiner Axt und seiner Holzbeige.

DIE IDYLLE BRICHT EIN

Und jetzt der Hammer. Der Enkel und die Urenkel hauen ab. Dermassen weit weg, dass sie nicht mehr wöchentlich zu Besuch kommen. Und die Grosseltern sind nicht mehr im Alter, in dem sie nach Lust und Laune um die Welt jetten.

 

Es gab unendlich viele Fragen. Wohin geht ihr? Warum? Was ist mit den Kindern? Was macht ihr dort? Was ist Online Marketing? Fragen über Fragen.

 

Darauf folgten Bemerkungen. Denkt ihr, das ist gut für die Kinder? Wie und wo gehen sie zur Schule? Dann könnt ihr uns nicht mehr besuchen!

ALTE WUNDEN

Grossvater fragte, ob wir ab und zu zurückreisen. Mich überkam mal wieder mein schwarzer Humor und ich antwortete: «Zu Hochzeiten und Beerdigungen bestimmt.» In diesem Moment realisierte er: Sie gehen und kommen wahrscheinlich nicht wieder.

 

Und ich realisierte, was das auslöst. Zum einen reissen die alten Wunden wieder auf. Die Erinnerungen an die Zeit, als der eine Teil der Familie aus dem Leben verschwand. Ein Flashback an die Zeit, als die Geburtstagsgeschenke nicht bei den Grosskindern ankamen.

Und die Erkenntnis, dass in Zukunft die Urgrossenkel und der Enkel nicht mehr zu Besuch kommen. Wahrscheinlich erst wieder, wenn einer von beiden tot ist.

WARUM MIR DAS NAHE GEHT

Das geht den Grosseltern nahe – und das geht mir nahe. Ich habe meine Grosseltern gerne. Sie sind für mich Familie. Womöglich weil sie in einem Teil meines Lebens fehlten. Oder weil sie für mich einen Teil meiner eigenen Familie ersetzten und weil Grossmutter und Grossvater mich immer gerne hatten.

LIEBER GROSSVATER...

…ich weiss nicht. ob ich an deine Beerdigung komme. Ich weiss nicht, ob es möglich ist dann in die Schweiz zu kommen. Eins ist klar: An dem Tag, an dem ich von deinem Tod erfahre, erinnere ich mich an den Herbst, als wir zusammen in den Ferien waren.

 

Wir gingen nach Israel und teilten uns für knapp zwei Wochen ein Hotelzimmer. Ich sah dich von morgens bis abends und wir hatten eine bereichernde Zeit. Ich vergesse nicht, wie es war, als wir das erste Mal am Frühstücksbuffet standen und es mehr gab, als Marmelade und Brot. Es war grossartig zusammen mit dir in die heilige Stadt zu fahren. Du freutest dich über den Ausflug auf den Bauernhof. Die Milchkühe in Israel versetzten dich in Staunen. Ich erinnere mich, dass eines Morgens dein Nachttisch auf meine Seite flog, du wieder ins Bett gingst und weiter schliefst. Noch heute steht in deinem Schrank eine Tasse aus Jerusalem. Und Grossmutter sprach nach einer Zeit des Schmollens wieder mit mir, als du heil in der Schweiz ankamst.

 

Diese und viele andere Erlebnisse vergesse ich mit Sicherheit nie. Sie werden uns auf unserer Weltreise begleiten. Eines Tages zusammen mit dir, als stiller Zuschauer im Himmel. Und ich wünsche dir, dass du dann an Grossmutters Seite bist.

Meine Familie auf Weltreise - Mirjam
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