Nathan lernt Spanisch

autor mirjam Nathan lernt Spanisch

Nathan leidet am Fragilen X Syndrom. Das ist ein Gendefekt, der sich auf seine Entwicklung auswirkt. Das bedeutet, er entwickelt sich langsamer und hat mehr Mühe mit Kognition und Motorik, als andere Kinder. Nathan wurde ein IQ von 70 diagnostiziert. Mit einer solchen Diagnose ist eine normale Schulkarriere von vornherein ausgeschlossen.

NATHANS DIAGNOSE

Ich erinnere mich gut an den Test, den er als damals Vierjähriger im Inselspital in Bern durchführte. Ein Test, den ich durch mein eigenes Psychologiestudium kannte. «Nathan liegt unter dem Durchschnitt. Er wird nie in eine normale Schule gehen.» Die Neuropsychologin verkündete das Testergebnis trocken und ernst. Ich selbst wusste durch mein Studium, welchen Schwankungen ein Test unterliegt. Für sie lag sein IQ bei 70. Punkt.

DINGE SIND, WIE SIE SIND

Damals ärgerte ich mich darüber, wie Experten mir als Mutter das Ergebnis mitteilten. Bis Michael mich daran erinnerte, dass wir manche Dinge nicht ändern können. Weder dass sein IQ bei 70 oder 120 liegt, noch das Verhalten einer Neuropsychologin im Inselspital. Die Dinge sind, wie sie sind und meistens sind sie unvorhersehbar. Und seit wir auf Weltreise sind, merken wir: Das stimmt.

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NATHAN SPRICHT SPANISCH

Gute vier Monate reisten wir jetzt mit einem unterdurchschnittlich begabten Kind durch Zentralamerika. Wir hörten und sprachen Spanisch. Ich verstand nicht immer alles. Einige Latinos haben die Angewohnheit auf ihre Schnelligkeit und Undeutlichkeit zu beharren, wenn sie merken, dass du sie als Ausländer nicht verstehst.

 

Da Nathan ein offener und kommunikativer Typ ist, verwickelte er Gemüsehändler, Taxifahrer und Polizisten in lange Gespräche. Und zwar indem er mit ihnen Spanisch sprach. Er reihte ein paar Wörter zusammen, die er unterwegs aufschnappte.

NATHAN WIRD EINGESTUFT

Und je mehr Wörter es wurden, desto interessanter wurden die Gespräche. Er erklärte Einheimischen wie er hiess, wie alt er war und wo er wohnte. Auf Spanisch. Er erzählte Sitznachbarn im Bus, dass eine Nacht in Panama bis zu 50 Dollar kostete. Auf Spanisch. Kein perfektes Spanisch und von der Grammatik ganz zu schweigen, aber: Sie verstanden ihn. Sie lachten, unterhielten sich mit ihm und brachten ihm auf diese Weise immer mehr Spanisch bei.

 

Sie hielten ihn für intelligent. Bestimmt überdurchschnittlich intelligent. Und sie freuten sich einem hochbegabten Kind dabei zu helfen, mehr Spanisch zu lernen. Nathan lernte Spanisch, weil er unwahrscheinlich aufmerksam und feinfühlig ist. Er merkt sich alles, jedes Wort und jeden Zusammenhang. Und dann wiederholt er das Gemerkte unermüdlich. Müde werden dabei höchstens seine Eltern.

EINE SCHULE FÜR NATHAN

Inwieweit er das, was er wiederholt versteht und wie er den tieferen Sinn und Zusammenhang begreift, bleibt fraglich. Und fraglich bleibt, ob die Neuropsychologin im Inselspital je vorhergesagt hätte, dass Nathan in vier Monaten eine Sprache lernt.

 

Im Sommer kehren wir nach Europa zurück und sind unschlüssig, wie es dann weitergeht. Nathans Schulkarriere ist eines der wichtigsten Themen, die uns dabei beschäftigt. Ich weiss, dass Nathan gerne gefördert wird. Er liebt es zu basteln, zu schreiben und zu kochen. Er liebt Beschäftigung und er liebt es allen zu beweisen, was er kann. Und wir möchten Nathan diese Entfaltung ermöglichen. Wo und wie – das wissen wir nicht genau.

CHANCE TROTZ GENDEFEKT

Ich bin überzeugt, dass er sich am besten dort entfaltet, wo ihm jemand eine Chance gibt. Ihn nicht durch seine Schranken definiert und ihn an Festlegungen und DIagnosen erinnert. Ich wünsche ihm Chancen zu lernen, zu sprechen, zu gestalten und sich zu entwickeln. Selbst wenn das anders und langsamer ist, als bei einem Kind ohne diesen Gendefekt.

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2 Bemerkungen

  • MANUELA sagt:

    Sehr schön zu lesen! Homescooling wäre doch in diesem Fall (und auch sonst) eine super Lösung!?
    Viel Kraft eich bei der Lösungsfindung für euch als Familie.

    • MettlerfamilyMettlerfamily sagt:

      Ja, das haben wir uns auch schon überlegt. Nur denke ich, dass ich Unterstützung bräuchte. Alleine traue ich mir das nicht zu.

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