So wollen wir leben

autor mirjam So wollen wir leben

Viele sagten uns, wir seien mutig. Jedesmal dachte ich: Zum Glück kenne die mich nicht persönlich. Ich halte mich für überhaupt nicht mutig.

Vor unserer Abreise verbrachte ich Nächte damit panisch an dunkle Wände zu starren, während sich in meinem Kopf üble Szenen abspielten.

Wie böse Schurken unsere Kinder entführen oder wir unter einem Bus landen. Oder schlimmeres.

Ich habe, sagen wir, Respekt vor dem, was auf uns zukommt. Das Leben im Zelt. Die Weltreise mit dem Fahrrad. Die finanzielle Unsicherheit.

WARUM LEBEN WIR SO?

Warum tu ich das?

Weil ich genau weiss: So will ich leben.

Für mache ist es eigenartig, was wir tun. Und das stimmt. Wir entscheiden uns für einen eigenartigen Lifestyle.

Wer genauer über das Leben nachdenkt, dem fällt auf: Viel, viel eigenartigere Dinge geschehen auf dieser Welt und niemandem fallen sie auf. Sei das die Ernährung. Die Tatsache, dass wir unseren Körper mit Chemikalien füttern, als sei es das normalste der Welt. Oder dass wir unsere Autos mit Benzin aus Kriegsgebieten tanken. Es geschehen viele eigenartige Dinge auf dieser Welt.

ÄNGSTLICH ODER MUTIG?

Viele haben Angst vor bösen Menschen in anderen Ländern. Wenige davor unsere Körper oder die Umwelt zu vergiften. Was jagt uns mehr Panik ein? Das viele Plastik in den Weltmeeren oder ein Schwarzer, der uns im Dunkeln über den Weg läuft?

Darum denke ich nicht, dass ich mutig bin. Ich dachte irgendwann:
Etwas stimmt nicht damit, wie meine Ängste gepolt sind. Darum will ich mich nicht an meinen Ängsten orientieren.

ETWAS RISKIEREN

Und darum riskiere ich es eigenartig zu leben. In einem Zelt, mit nicht mehr als vier Fahrradtaschen Gepäck. Ich riskiere es, die Welt zu entdecken und zu sehen, was sonst noch eigenartig auf ihr ist. Ich will mithelfen und dabei sein. Und darüber nachdenken, ob das was ich tue, wirklich eigenartig ist.

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Wir haben es gepackt

GRUSELGESCHICHTEN

Und das ganze nicht ohne Ängste. Als wir uns für eine Weltreise mit Fahrrad und Zelt entschieden – oh, mein Gott – was hörte ich mir für Geschichten an. Vor meinem inneren Auge sah ich eine Horde Vergewaltiger auf mich zurennen, während ich halb zerquetscht von hupenden Autos überrollt werde.

Mittlerweile bin ich mit dem Fahrrad die löchrigen Strassen rauf und runter gefahren. Und keiner der Gruselgeschichtenerzähler informierte mich darüber, was das schlimmste auf den Strassen Lateinamerikas ist: Die Abgase.

Ich huste jetzt noch dunkle Rauchschwaden.

WAS WIRKLICH VERRÜCKT IST

Wenn wir sagen, wir setzen bei unserer Weltreise auf Fahrrad und Zelt halten uns viele für verrückt. Wenn hier in San Jose täglich mehrere Tausende Autos die Natur verpesten, halten wir das für viel verrückter.

Der Verkehr ist nicht fahrradfreundlich. Das stimmt. Aber immerhin freundlicher gegenüber Fahrrädern, als gegenüber Mutter Natur.

EINE MEDAILLE MIT KEHRSEITEN

Unseren ersten Ausflug in die Hauptstadt Costa Ricas, nach San Jose, überstand ich nicht ohne mehrere Panikanfälle. Elea ist ein Wirbelwind und liebt es die Arme auszubreiten und in die Weite hinauszurennen. Und sie hasst es, wenn Mama panisch hinterher kreischt. Unser erster Ausflug in Costa Rica war daher ziemlich konfliktbehaftet.

Wir nehmen viel Negatives in Kauf. Wir hoffen, dass der positive Gewinn am Ende überwiegt. Wir wollen gesund leben, unsere Kinder gesund ernähren und hoffen, dass sie sich öffnen und ein gutes Bewusstsein für ihr Leben und ihre Welt entwickeln. Dass sie Sprachen lernen und andere Kulturen entdecken.
Und dass die Kehrseiten erträglich sind.

SOLANGE DIE RICHTUNG STIMMT

Nicht, dass wir den Schlüssel zum richtigen Leben gefunden hätten. Wir wagen den eigenartigen Versuch unser Leben anders zu gestalten. Und dabei gilt «try and error». Ein komplett fehlerfreies, nachhaltiges und sinnvolles Leben – schwierig bis unmöglich umzusetzen. Hauptsache die Richtung stimmt.

UNSER FOKUS

Und wenn wir Rückschläge erleiden und nicht immer das richtige tun: Wir wollen nicht, dass andere wegen uns Rauchschwaden husten müssen. Sondern dass sie im besten Fall freier und bewusster atmen.

Diesen Fokus versuchen wir auf unserer Weltreise beizubehalten. Dann, wenn wir am Geld scheitern. Und das, obwohl die Strassen hier gefährlich sind. Und vieles anders läuft, als wir uns das gewünscht hätten.

JETZT GEHT ES LOS

Michael ist jetzt unterwegs, um die restliche Ausrüstung abzuholen. Das Schattenfahrrad für Nathan, den Fahrradanhänger für Elea, das Zelt und die Camping-Ausrüstung. Dann schwingen wir uns auf die Drahtesel und wir setzen unsere Worte erstmals wirklich in Taten um.

Und während ich das schreibe, sitze ich auf einem Bett, eingekuschelt in einer warmen Decke und suche verzweifelt nach einer letzten Prise Mut in mir.

Ich habe Respekt vor dem, was kommt. Und eine riesige Vorfreude auf die wunderschöne Welt, die es zu entdecken gilt.
Und zu bewahren.

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