Spirulina – Grüner Zauber in Afrika

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Turkana in Kenia. Eine Region, die nur wenige Menschen kennen, obwohl sie so groß wie Holland ist und als «Wiege der Menschheit» in unserer Stammesgeschichte eine entscheidende Rolle spielte. Jemand wie Donald Trump würde es als «Drecksloch» bezeichnen. Ein anderer Amerikaner, der Autor Negely Farson, beschrieb es, nachdem er Turkana bereist hatte, als nächsten Ort zur Hölle auf Erden.

BEIM FERNSEHEN INSPIRIERT

Ich selbst lernte Turkana in einer Dokumentation, die spät abends im TV lief, kennen. Eine Dokumentation, die eine einzigartige Kultur voller reichhaltiger Traditionen und Mythen, sowie spektakuläre Wüstenlandschaft zeigte und vor allem das große Problem der Unterernährung ansprach.

TURKANA

Turkana ist eine der heißesten, trockensten und ärmsten Regionen der Welt. Ein Großteil der Bevölkerung leidet tagtäglich an Hunger. Aufgrund von Klimawandel und der anhaltenden Dürre in Ostafrika brach die Viehzucht zusammen, welche traditionell die wichtigste Quelle für Nahrung darstellte. Auch klassische Landwirtschaft ist unmöglich, denn Hitze, Monate ohne Niederschlag und ein extrem salziges Grundwasser sind lebensfeindliche Bedingungen für Pflanzen.

MEINE IDEE

Diese Information war die Geburtsstunde von «Thriving Green». Die Idee, die ich hatte, war simpel: Es gibt Lebewesen, die wunderbar in 8000 Meter Tiefe im Meer überleben können, und es gibt Lebewesen, die an der Außenwand eines Spaceshuttles überleben können. Warum also sollte es nicht etwas Nahrhaftes geben, was sich in Turkana ertragreich anbauen lässt, um den Hunger zu bekämpfen?

DAS SUPERFOOD SPIRULINA

Nachdem ich mich ein paar Tage durch biologische Datenbanken und Klimadaten wühlte, stieß ich auf Spirulina. Spirulina ist eine einzellige Alge, die genau wie Pflanzen die Energie der Sonne nutzt, um zu wachsen. Und wachsen, das kann Spirulina ziemlich gut – eben, weil es ein einzelliges Lebewesen ist und sich durch Zellteilung vermehrt: Aus einem Spirulina-Organismus werden zwei, dann vier, dann 16, dann 256 und so weiter. Eine tolle Eigenschaft, wenn man Menschen schnell mit Nahrung versorgen möchte. Besonders deutlich wird das, wenn man es mit klassischen Lebensmitteln vergleicht. Mit Weizen auf einer Anbaufläche von einem Hektar können jährlich 166 Menschen versorgt werden. Die gleiche Fläche mit Spirulina kann über 1000 Menschen versorgen.

THEORIE UND PRAXIS

In der Theorie kann man viele Probleme lösen, aber ich wollte die Theorie auch in die Praxis umsetzen und schrieb Daniel Kotter, den ich über die Studentenorganisation enactus kannte, eine kurze Nachricht über WhatsApp und fragte, wie viel Zeit er in den nächsten Monaten habe und, ob er Interesse an einem Projekt zur Bekämpfung von Hunger hätte. Daniel antwortete, er hätte Zeit und fragte, worum es genau geht. Aus den angekündigten «nächsten Monaten» werden im Juni mittlerweile zwei Jahre, an denen wir an «Thriving Green» arbeiten und sind von zwei Menschen zu einem 17-köpfigen Team herangewachsen.

UNSER ERSTER AUFENTHALT IN TURKANA

Von der Idee bis zur ersten Umsetzung vergingen einige Monate, die wir mit dem Konzept, der Forschung und Entwicklung und der Finanzierung verbrachten. Schließlich war es dann im Apirl 2017 soweit – unser erster Aufenthalt in Turkana.
Von Nairobi folgen wir mit einer kleinen, wackligen Maschine Richtung Lodwar, der Hauptstadt des Turkana County. Wir beobachteten vom Flugzeug aus, wie sich die Landschaft von Grün immer mehr zu einem trockenen Gelb-Braun wandelte und schließlich in eine endlose Wüste überging. Und als ich Lodwar zum ersten Mal im Landeanflug sah, zweifelte ich an dem ganzen Vorhaben. Vor mir erstreckte sich ein Wellblechhütten-Slum, der sich am Ufer des Turwel-Flusses entlang zog. Die unerträgliche Hitze, die wir nach der Landung spürten und mit den Erfahrungsberichten aus dem Internet, die vor den Gefahren Turkanas warnten, im Hinterkopf, verbesserte sich unsere Stimmung zunächst nicht.

IN DAS DORF ANAM

Aber von den unterschiedlichsten Orten dieser Welt, die ich besucht hatte, nirgendwo, wurde ich mit so authentischem Interesse und so viel Gastfreundschaft begrüßt wie in Turkana.

Von Lodwar, der Hauptstadt, die etwa 40.000 Einwohner hat, ging es dann mit dem Geländewagen durch die Wüste nach Anam, einem kleinen Dorf am Ufer des Turkana Sees. Immer wieder fuhren wir durch kleine Siedlungen, die aus Hütten aus Stöcken und Ästen und ein paar vereinzelten Wellblechhütten bestanden. Wellblechhütten, wie wir später erfuhren, werden nur von den «Reichen» bewohnt. Und nach ein paar Stunden Fahrt, als sich die Nacht wie ein dunkles Tuch über die Landschaft legte, blieben wir im Sand stecken. Es dauerte nicht lange, bis sich eine Menschenmenge um unser Fahrzeug bildete – hilfsbereit und gastfreundlich, wie die Menschen in Turkana sind, hoben etwa 20 Männer unseren Toyota Land Cruiser einfach aus dem Sand und schließlich erreichten wir unser Ziel, das Dorf Anam.

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DAS PROBLEM DER MANGELERNÄHRUNG

In Anam lernten wir unseren ersten Spirulina-Farmer, Joseph, kennen, erstellten eine Studie über die Mangelernährung (91% der 121 Befragten hatten einen BMI von unter 18,5 – dem Maßstab der WHO für Untergewicht in Entwicklungsländern) und erfuhren von unserem Partner der ortsansässigen katholischen Mission, dass jedes vierte Kind nicht das fünfte Lebensjahr erreicht.

ERSTE ZUCHTBECKEN

Währenddessen begannen wir mit dem Aufbau unserer ersten Zuchtbecken für Spirulina und mit der Ausbildung von Joseph. Nach einigen Tagen konnten wir unser erstes Spirulina-Becken in Betrieb nehmen und nach anfänglichen Misstrauen waren die Einheimischen begeistert, dass etwas so schnell wachsen kann.

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Auch ich muss gestehen, dass ich erstaunt war. Schließlich ist es etwas was anderes, wenn man solche Wachstumsraten in ein paar hundert Milliliter im Labor beobachtet oder in der Natur sieht, wie viele tausende Liter Wasser von Spirulina grüngefärbt werden. Übrigens der Name «Thriving Green» (auf Deutsch: gedeihendes Grün) ist an Spirulina angelehnt.

WARUM SPIRULINA SO TOLL IST

Spirulina ist aber nicht nur als Mittel gegen Mangelernährung relevant, weil es dort extrem schnell wächst, wo nichts anderes überlebt, sondern, weil es ein Superfood ist.
100 Gramm Spirulina enthalten vier Mal so viel Energie wie Kartoffeln, sechs Mal so viel Protein wie Eier und bieten einen reichhaltigen Schatz an Vitaminen. Außerdem schützt der Anbau von Spirulina die Umwelt und bekämpft den Klimawandel. Spirulina bindet 14 Mal mehr CO2 als die gleiche Fläche mit Regenwald – die grüne Lunge unseres Planeten.

CROWDFUNDING FÜR THRIVING GREEN

Sowohl unser sozialer Einfluss, als auch unsere ökologische Auswirkung, wurden durch mehrere Preise bestätigt, wie beispielsweise dem GreenTec Award, dem Social Innovation Award der Bayer Foundation, dem Umweltpreis Promotion Nordhessen und dem Green Economic Award.

Seit unserem ersten Aufenthalt im April und Mai letzten Jahres waren wir noch im August und September, sowie im Dezember vor Ort, um mehr Becken zu bauen, um mehr Menschen zu Spirulina-Farmern auszubilden und mehr Menschen mit Spirulina zu versorgen.
Unser nächster Aufenthalt ist im März und wir wollen «Thriving Green» größer machen, um mehr Menschen zu helfen. Wenn du uns unterstützen möchtest, kannst du das auf unserer Crowdfunding Kampagne machen.

Alexander Zacharuk, Gründer von Thriving Green.

Von Costa Rica nach Panama
Wir waren in der Kirche
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