Und so ist Costa Rica wirklich

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Erwischt. Wir sind die Reichen. Wieviel Geld wir effektiv haben, spielt keine Rolle. Egal, wo wir auf der Weltreise auftauchen. Wir sind die Reichen. Klar, gibt es in Costa Rica reiche Einwohner und superreiche Touristen. Dort, wo wir sind, sind wir die Reichen. Eine Erfahrung, die lehrsam ist. Und eine Geschichte, die uns bewegt.

VON FABIAN EINGELADEN

Fabian ist an allem Schuld. Wir kamen an unserem Zielort an, mit der Absicht unser Zelt aufzustellen. Am besten bei jemandem im Garten. Bei jemandem mit Dusche. Bei jemandem, der sich über ein paar Colones freut.

Wir fanden zwei Frauen, die uns zögerlich zu ihrem Haus mitnahmen. Zögerlich, weil sie wohl nicht ganz verstanden, wer wir sind und was wir machen. Und weil ihr Garten angeblich zu klein sei. Unterwegs entdeckte uns Fabian. Was wir hier machen, rief er uns amüsiert zu. Wir erklärten ihm unsere Geschichte und er bestand darauf, dass wir unser Zelt bei ihm aufstellen. Das taten wir. Lieber ein übereifriger Gastgeber, als ein zögerlicher.

KEIN TRAUMHAUS

Wir landeten an einem Ort, wo wir uns nicht im Traum niederlassen würden. Mirjam und ich sprechen oft davon, wo wir einmal sesshaft werden. Wir sprachen über allerlei verrückte Orte. Hier, direkt am Highway, wäre es uns zu verrückt. Oder die Nachbarschaft zu grimmig oder unheimlich. Das Haus, das Grundstück – das wäre ein tiefer Fall. Fabian war fröhlich und hiess uns in seinem Zuhause Willkommen. Ein junger Strassenarbeiter. Braun gebrannt, Zahnpastalächeln. Mit Silberkette und Tattoos.

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ZUM ESSEN EINGELADEN

Wir stellten unser Zelt auf und Fabian liess es sich nicht nehmen, uns zu helfen. Ein Zelt stellt er wahrscheinlich nicht alle Tage auf. Seine Frau Mari betrachtete das Ganze von Ferne. Es war, als ob beide uns einerseits ein wenig ungläubig aus Distanz beobachteten und andererseits, als ob sie uns bereits nach fünf Minuten in ihr Herz geschlossen hätten.
Sie boten uns ihre Dusche und Handtücher an. Wir bedankten uns und fragten, ob wir sie zum Essen einladen dürfen. Hier gäbe es ein Restaurant – das sei ziemlich teuer. Und Fabian könne fantastisch kochen.
Ein Typ mit Tattoos und Zahnpastalächeln kocht? Wir kaufen das Essen ein. Keine Frage!

YUNKIES AM STRAND

Zuerst verabschiedeten wir uns und fuhren an den Strand. «Coconut water? Fresh?» Rief uns alle zehn Meter ein zierlicher Latino zu. Später fanden wir heraus: Das seien hier alles Yunkies, die Kokosnüsse klauen, an die Touristen verkaufen und ihre Schüsse finanzieren. Eine unwirtliche Gegend.

DAS BESTE AUS WENIG

Das etwas beklemmende Gefühl verschwand sofort, als wir wieder bei Mari und Fabian ankamen. Sie freuten sich riesig uns zu sehen und freuten sich darauf, für uns zu kochen. Die Kinder spielten und rannten um das Haus herum. Wobei ein Haus ist übertrieben. Ein Wellblech schützt vor Regen und ein Holzkonstrukt macht die Wände. Hier wurden keine Millionen verbaut. Hier wurde kreativ das Beste aus dem Wenigen gemacht.

SCHWEIZER UND STRASSENBAUER

Fabian zauberte aus gewöhnlichen Spaghetti mit Tomaten die beinahe besten, die wir je hatten. Wir fragen, was sie arbeiten – was Schweizer eben fragen. Sie wichen ein wenig aus und Fabian meinte, er würde ab und zu die Strassen flicken.
Wir erzählen von uns und von der Schweiz. Sie glauben nicht, wieviel Geld einzelne Sachen bei uns kosten. Und wie kalt es bei uns ist. Dass wir einen geordneten Verkehr haben und selten jemand hupt, scheint ihnen ganz fremd zu sein. Später stiess noch Maris Sohn hinzu. 16 Jahre, cooler Typ, mit der klassischen Zahnspange, die in Costa Rica bei der Jugend Trend ist.

ARBEITSLOS

Am nächsten Morgen kochte Mirjam Eier für alle. Mari schüttelte den Kopf und meinte: «Manchmal essen wir nichts. Wir sind es nicht gewohnt und es geht uns nicht gut.» Wir erfahren. Die beiden sind arbeitslos.

Wir fragen nach und erfahren, dass ihr Leben um einiges härter ist, als wir dachten. Dass Fabian sich von Gelegenheitsjob zu Gelegenheitsjob durchschlägt und ihnen manchmal selbst das Geld für Essen ausgeht.

EIN HARTES LEBEN

Später ging ich mit Fabian auf seinem Motorrad einkaufen. Ich bat ihn, sich das zu kaufen, was sie noch brauchen. Mehr als 20 Franken (Mittagessen inklusive) kriegen wir nicht auf den Zähler.

Fabians Essen zu essen war für uns weit mehr wert als zwanzig Franken. «Mach ein Restaurant auf!» Fabian verdrückte sich ein müdes Lächeln. Das Leben hier sei hart. 

UNTERSTÜTZUNG VOM STAAT?

Und der Staat helfe nicht. Er brauche das Geld für die Sturmschäden und das, was übrig bleibt, würde für die Korruption gebraucht. Die Schuldigen sind schnell gefunden. Die Nicaraguaner. Die Flüchtlinge aus dem Norden. Die würden den Staat zu viel Geld kosten. Es tönt wie am Stammtisch in einer Emmentaler Beiz. Mit dem Unterschied, dass Sozialhilfe und das Arbeitslosengeld hier bei Null Franken liegen. 

ESSEN FÜR EINEN MONAT

Nach dem Mittag redeten Mirjam und ich. Wie machen wir das? Wir werden viele solche Schicksale antreffen. Wir werden oft denken, dass wir helfen sollten. Immer helfen geht auch nicht. Nicht helfen ist blöd. Wir machten ihnen Mut. Fabian zeigte mir wie er aus Draht Tiere macht. Richtige coole Drahtskorpione. Er hat Talent. Ich sagte ihm, er solle was daraus machen und gab ihm Tipps und Tricks. Er wurde nachdenklich. Ich hoffe, er macht etwas draus.

Am letzten Abend gingen wir in das teure Restaurant essen. Als Dankeschön für ihre Gastfreundschaft. Das Essen kostet gleich viel wie ihr monatliches Budget.

Umgerechnet 50 Franken für alle.

HASTA LUEGO

Wir blieben zwei Nächte. Der letzte Tag war Mirjams Geburtstag. «Linda!» Rief Mari und hielt ein richtig schönes Kleid in der Hand. «Das ist für deinen Geburtstag». Mirjam war ganz hin und weg und es anzunehmen fiel ihr erst schwer. Sie, die Reiche, bekommt viel von ihr, der Armen.

Uns dämmerte erst allmählich, bei wem wir zu Gast waren. Bei Menschen, die ein Leben führen, dass wir in der Schweiz – dank Sozialhilfe – nicht kennen. Und am schwersten fiel es uns zu begreifen, dass wir von ihnen richtig beschenkt werden und sie dankbar sind, dass wir sie besuchten. Wir die Reichen. Nach diesem Besuch sind wir noch reicher. Wir haben zwei neue Freunde gefunden.

Hasta luego…

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