Unser erstes Projekt – Hilfe an einer Uni?

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Die meisten Menschen – und ich – erwarten unter einem Hilfsprojekt, den Einsatz von Ärzten an abgelegenen Orten, kranke Kinder, Hunger oder eingestürzte Häuser. Kein Wunder hörte ich häufig dasselbe, wenn ich vom ersten Hilfsprojekt erzählte, das wir in Costa Rica besuchen: «Echt? Das erste Hilfsprojekt, das ihr besucht ist eine Universität?» Ein Hilfsprojekt an der Universidad Biblica Latinoamericana.

Ich schicke vorweg: Costa Rica ist eines der reicheren Länder in Lateinamerika. An deren Universität ein Hilfsprojekt? Ich war echt gespannt. Wie hilfst du einer Uni? Klar ist: Veränderungen passieren überall. Und Hilfe ist an vielen Orten nötig. Ich merkte, dass ich mit zu vielen Vorurteilen unterwegs bin.

DIE UNIVERSIDAD BIBLICA LATINOAMERICANA

Die Rektorin der Universität Elisabeth Cook begrüsste mich freundlich. Auf dem Weg in ein Sitzungszimmer erklärte sie, dass die Uni 1923 gegründet und 1996 vom Staat Costa Rica anerkannt wurde.

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Der Campus der Universität ist ein ruhiger und schöner Ort. Als wir eintreffen ist es still und leer. Viele der Studenten geniessen um diese Zeit ihre Semesterferien. Einige der Studenten, erklärte Elisabeth Cook, absolvieren ihr Studium mit Online Kursen und sind somit nie oder selten anwesend.  

NIDIA FONSECA

Im Sitzungszimmer angekommen, lerne ich Nidia Fonseca  kennen. Eine Frau, die in ihrem Alter nicht an Energie einbüsst. Eine Powerfrau. Ich bat sie mir Namen und eine grobe Zusammenfassung ihres Lebenslaufes in das Mikrofon zu sprechen. Die Aufnahme dauerte mehr als sechs Minuten.  

DIE UNIVERSITÄT UND MISSION 21

Nidia erklärte mir zu Beginn, wie Mission 21 mit der Universidad Biblica Latinoamericana zusammenhängt.

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Checkt ihr, wie das System funktioniert? Keine Sorge. Ich verstand höchstens die Hälfte. Was ich verstand: Die Universidad Biblica Latinoamericana hängt mit der Mission 21 zusammen. Und Mission 21 ist ein Missionswerk aus der Schweiz, welches sich unter anderem in Sachen Religion und Glauben stark macht – überall auf der Welt. Beispielsweise in San Jose, der Hauptstadt von Costa Rica. An der dortigen Universität.

RELIGIONSFREIHEIT IN COSTA RICA

Nidia kommt ursprünglich aus einem Elternhaus, in welchem der Glauben offen gelebt und reflektiert wurde. Der formelle katholische Glauben sei ihr zu engstirnig.

 

Genau dieser sei ein echtes Problem in Lateinamerika.

In Costa Rica beispielsweise sei dein Leben vorbei, wenn du aus der Kirche austrittst. Die Mehrheit diskriminiert solche Leute. Das Thema Menschenrecht kommt in unserem Gespräch immer wieder auf den Tisch.

 

Wer hätte es gedacht? Religionsfreiheit ist hier ein riesiges Problem.

AUSGRENZUNG UND DISKRIMINIERUNG

Sie verdeutlicht es an einem Beispiel mit Flüchtlingen in Costa Rica. Muslime, die hier wie in Europa Moscheen besuchen? Ein No Go. Hier herrscht eine Religion – die katholische – und das war’s. Einen anderen Glauben offen auszuleben, bringt Ausgrenzung und Diskriminierung mit sich.

 

Warum gibt es die Universidad Biblica Latinoamericana? Diese beschränkt sich nicht allein auf die Ökumene, sprich die unterschiedlichen christlichen Religionen. Hier sprichst du über andere Religionen. Toleranz und Offenheit werden gross geschrieben.  

DIE ZUKUNFT DER UNIVERSITÄT

Nidia Fonseca betont, dass ihre Arbeit deswegen kein abgeschlossenes Thema sei. Nein, die konservative Regierung in Costa Rica sei daran interessiert den engstirnigen katholischen Glauben auszubauen und mehr in die Gesellschaft und Kultur zu etablieren. Ich vergass die Frage zu stellen, ob das die Annerkennung der Uni gefährdet. Ich hoffe, dass der offene Geist dieser Uni erhalten bleibt – offiziell und inoffiziell.

DIE STUDENTIN GABRIELA

Während Nidia erklärt, dass die Studenten hier aus verschiedenen Ländern Lateinamerikas kommen, gesellt sich Gabriela zu uns. Gabriela stammt aus Bolivien. Neben Peru und Chile, ist Bolivien eines der Länder, die ihre Jugendlichen für ein Studium nach Costa Rica schickt.

NATURRELIGION, MISSIONIERUNG UND FAMILIE

Gabrielas Eltern zogen vom Land in die Stadt. Ursprünglich lebte die Familie einen indogenen Glauben – bis sie jemand in der Stadt missionierte.

 

Gabrielas Grosseltern hingegen leben den Glauben der uralten Naturreligion.

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Ich frage Gabriela, ob diese unterschiedlichen Glaubensrichtungen innerhalb von Familien nicht ein Problem sind – gerade in Bolivien, wo nichts über «la familia» steht?

 

Gabriela meint, der Glaubenswechsel sei nicht mit einem Wechsel vom Christentum zum Islam vergleichbar. Ihre Familie mischte sich eine Art neuen Glauben – eine Mischmasch Religion.

EIN OFFENER GEIST

Das sei mit ein Grund, warum Gabriela die Universidad Biblica Latinoamericana besucht. Dieser Mix löste viele Fragen bei ihr aus.
In Bolivien studierte sie Sozialwissenschaften. Jetzt das Theologiestudium. Das eine gibt Geld, das andere ist spannend. Fragend und suchend ist Gabriela nach wie vor.

Ob ihr das Studium hier keine Antworten liefert? Sie meint, das sei nicht ihr Ziel. Sie wolle vielmehr einen offeneren Geist haben. Und das sei hier absolut möglich. Hier kommt sie mit vielen neuen Religionen und Glaubensrichtungen in Kontakt – die Möglichkeit engstirnig zu werden gibt es gar nicht.

AUF DER SUCHE NACH ANTWORTEN

Eine Spannung, was ihren Glauben betrifft, wird Gabriela immer haben. Das sei gut, das hält sie kritisch und fragend. Nach dem Studium, wird sie sich einen Beruf im Bereich Religion aussuchen. Sie habe viel gelernt, um wichtige und kritische Fragen besser zu beantworten. Ihre Vision sei es, anderen Menschen zu helfen Antworten zu finden. Und nicht ihnen die Antworten zu geben.
Ein kleiner, feiner Unterschied.

GABRIELA UND MISSION 21

Und wie hängt Gabriela mit Mission 21 zusammen? Ihr Studium wird durch das Missionswerk finanziert – auf diesem Weg kämpft Mission 21 gegen Diskriminierung. Meiner Meinung nach erfolgreich. Die Menschen, die ich hier an der Universidad Biblica traf, zeigten eine offene und tolerante Haltung. Abgesehen vom Bibliothekar. Um Punkt 12 Uhr schmiss er uns aus der Bibliothek. Zeit für Mittagessen.

Wenigstens erwischten wir dadurch den Bus.

HILFE, WO DU ES NICHT ERWARTEST

Auf der Fahrt durch den Stau nach Hause, ging ich das Gespräch mit den zwei Frauen innerlich nochmals durch.

Ich dachte: Diese beiden Frauen machen die Welt ein Stück besser. Ein Stück offener und toleranter. Ein kleiner, feiner Unterschied, der ohne Hilfe nicht möglich wäre.

Hilfe braucht es an vielen Orten. In Costa Rica, in San Jose und an den Universitäten.

Die beiden Frauen machen sich dafür stark. Ihr Einsatz: Ein offener Geist und die passende Ausbildung.

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