Vom Tourist zur Zielscheibe für Scharfschützen – II

autor michael 2 Vom Tourist zur Zielscheibe für Scharfschützen II

Ich reiste einen Monat durch Israel. Ich war nicht rasiert, männlich und hatte das falsche Visum in der Tasche. Trotzdem traute ich mich einen Inlandflug zu machen. Vom Badeort Eilat ins hippe Tel Aviv. Nicht für Partys oder Strand, nein: Ich wollte zurück nach Hause. Mein Anschlussflug in die Schweiz war gebucht.

Hier der zweite Teil meiner irren Geschichte aus Israel.

ROUTINEFRAGEN AM CHECK-IN

Mit einem freundlichen «hi, whats your name» weckte mich die junge Sicherheitsbeamtin am Check-In aus meinen Tagträumen.

Das Frage-Quiz folgte prompt. Was war der Grund für meinen Aufenthalt, wen besuchte ich, wer packte mein Gepäck –  ich beantwortete die Routinefragen schnell. Alles wie immer.

Dann rief die Sicherheitsbeamtin eine Kollegin zu sich und ich wurde übergeben. Das war mir noch nie passiert.

ERSTES KREUZVERHÖR

Das Verhör ging mit ein «paar» weiteren Fragen weiter.

Konkret erlebte ich den Monat nochmals im Schnelldurchgang. Jeder Aufenthalt, jeder Besuch wurde kleinlichst abgefragt. Ich zeigte Fotos auf dem Smartphone. Auf Google Maps zeigte ich meine Routen. Das Kreuzverhör dauerte 20 Minuten.

KREUZVERHÖR, DIE ZWEITE

Danach flüsterten sich die beiden Frauen etwas zu und besprachen sich mit einer dritten Beamtin. Mit der dritten Beamtin erlebte ich die 20 Minuten Reisegeschichte durch Israel erneut. Auf Englisch.

Die Fragen kamen schnell und ehe meine Antwort fertig war, schossen neue Fragen auf mich zu. Ich überstand auch diesen Teil lebendig. Die drei Frauen zogen sich zurück. Überstanden? Weit gefehlt. Sie holten einen Mann dazu. Der Fall schien wichtiger zu werden.

DANN WURDE ES ERNST

Zwei Männer kamen aus dem Büro. Einer von ihnen stand etwas abseits und beobachtete mich mit stierenden Argusaugen. Ich dachte mir: Was haben die gefunden?

Ich beantwortete eine Frage falsch und ein Grinsen zuckte über mein Gesicht. Es war alles zu surreal. Der junge Mann fragte mich, warum ich grinste. Ich zuckte mit den Schultern und antwortete: «Die haben mich an den Eiern.» 

DREI FRAGEN

Der Mann, der mich befragte, hatte sich als Leiter der Flughafensicherheit vorgestellt. «Ich habe ihre Geschichte gehört und ich glaube ihnen nicht.» Er habe drei Fragen an mich. Würde ich diese nicht nach seinen Vorstellungen beantworte, würde er mich der Polizei übergeben.

U-HAFT IN ISRAEL?

Von meiner Tante, die in Israel lebt, wusste ich, dass ich in U-Haft gehen würde. U-Haft ist in Israel nicht sehr luxuriös. Ich beantworte alle drei Fragen richtig. Dennoch liessen sie mich nicht gehen. Jeden Moment begleitete mich der junge Mann mit den Argusaugen. Selbst bis auf die Toilette.

VON EILAT NACH TEL AVIV

Das Sicherheitsteam verfrachtete mich in einen Nebenraum für einen Security-Check. Ich wusste nicht, wie gründlich und kleinlich ein Mensch abgetastet werden kann.

Sie checkten mein Gepäck, während sie mir Fragen dazu stellten.

«Warum haben sie vier Mal das gleiche Shampoo?»

«Ich habe vier Schwestern.»

ICH, DAS ZIEL DER SCHARFSCHÜTZEN

Sie funkten, flüsterten und berieten sich. Alles in Hebräisch. Dann stoppte der Funkverkehr abrupt. Sie kamen auf mich zu und führten mich hinaus in die Check-In Halle. Sie war menschenleer.

Ebenso der Vorplatz des Flughafens. Die Polizei hielt die Menschen auf der anderen Seite der Strasse. Als ich nach oben blickte, sah ich Scharfschützen mit Maschinengewehren. Alle auf ein Ziel gerichtet. Auf mich.

Wurde geschossen?

Das lest ihr im dritten Teil.

Vom Tourist zur Zielscheibe für Scharfschützen - III
Vom Tourist zur Zielscheibe für Scharfschützen - I

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Familie Mettler

Wir sind eine minimalistische Familie.
Mit unseren Kindern bereisten wir die Welt
- und begannen unser neues Leben
mit vier Reisetaschen.

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