Vom Tourist zur Zielscheibe für Scharfschützen – III

autor michael 2 Vom Tourist zur Zielscheibe für Scharfschützen III

Ich realisierte: Es geht definitiv um mich. Irgendwas haben sie gefunden. Hat mir jemand im Hostel etwas untergeschoben? Habe ich eine Frage falsch beantwortet?

Meine treuer Freund und Bodyguard setzte sich neben mich auf die Bank in der Mitte des Vorplatzes. Der Flughafen Eilat war evakuiert. Auf den Dächern standen die Scharfschützen. Und alles wegen mir.

EIN NERVÖSER BODYGUARD

Nach fünf Minuten fragte mich der Bodyguard: «Do you think this will have a good end?» Ich fand es seltsam, dass gerade er mich das fragte. Obwohl er ausgebildet und trainiert war, standen in seinen Augen Fragezeichen. Ich sagte ihm, dass ich denke, dass sich alles klären wird. Er entspannte sich ein kleines bisschen.

KREUZVERHÖR

Nach weiteren fünf Minuten gesellten sich gefühlt 20 weitere Menschen dazu. Ich erkannte die Sicherheitsbeamtinnen und den Sicherheitschef wieder. Mit mir sprach nur eine Frau.

Von wo ich meine Schuhe habe?

Aus einem Einkaufscenter am Gardasee.

Wann ich dort war? Mit wem? Ob an meinen Schuhen etwas speziell sei? Ob ich schon oft da war? Ob ich alle Freunde, die mit mir da waren, gut kenne?

Und wieder: Ob irgendwas an meinen Schuhen speziell sei?

Als ich die frage zum dritten Mal hörte, klickte es bei mir. Wieder musste ich grinsen.

DIE SCHUHE EINES TERRORISTEN

Ich hatte Einlagen. Schuhe mit speziellen Einladen.

Und dann versuchte ich im Kreuzverhör – mit Blicken und scharfem Geschütz auf mich gerichtet – zu erklären was Einlagen sind. Die kleinen Eisenstäbe und der leicht flüssige Inhalt, hatten unliebsamen Verdacht geschöpft.

BOMBE IM BUS?

Nach ein paar Minuten stammelnder Erklärversuche, entspannten sich alle merklich. Wir gingen wieder in das Flughafengebäude. Und erneut wurde ich gründlich untersucht. Wirklich gründlich.

Ich fragte die Beamten, warum sie mich von Anfang an verdächtigten. Das mit den Schuhen fiel ihnen doch erst später auf. Sie sagten, ich hätte im Verhör gesagt, dass ich alle Menschen in Jerusalem zu Fuss besuchte. Sie hatten jedoch in meinem Portemonnaie ein Busticket gefunden.

Ihr erinnert euch, dass wenige Tage zuvor ein Bus in Jerusalem das Ziel einer terroristischen Attacke wurde.

KOMMUNIKATIONSPROBLEME?

Klar, war ich in Jerusalem Bus gefahren. Wenn ich Freunde besuchte, lief ich allerdings zu Fuss.  Kommunikation sag ich da nur.

ENDE DER GESCHICHTE?

Durchgecheckt sass ich mit meinem Bodyguard in einem Restaurant und er spendierte mir Reis und Poulet. Wir warteten auf meinen Flieger.

Den regulären Flug hatte ich verpasst und sie buchten mich in ein anderes Flugzeug ein. Als ich fertig gegessen hatte, brachte mich der Bodyguard zum Flugzeug, entschuldigte sich nochmals und wünschte mir eine gute Reise.

Wer denkt die Geschichte sei hiermit zu Ende: Falsch.

Ich war noch lange nicht aus der Geschichte raus.

WIEDER FLUG VERPASST

Ich flog von Eilat nach Tel Aviv. Dort wartete ein weiterer Security-Mensch auf mich. Normalerweise winken die Beamten Schweizer Pässe einfach durch.

Nein, heute nicht. Er prüfte den Pass genau und stellte mir Tausendundeine Frage. In der Check-In Halle sah ich die Damen meiner Fluglinie reine machen. Ich war zu spät.

ISRAEL AUF STAATSKOSTEN

Ich erzählte einem Beamten, was mir bereits in Eilat passiert war. Er hörte mir zu. Dass ich deswegen wieder meinen Anschlussflug verpasst hatte, schien ihn herzlich wenig zu interessieren.

Ich wandte mich an den Info-Schalter und bestand darauf mit dem Sicherheitschef des Flughafens in Eilat verbunden zu werden. Der nahm ab und fragte was los sei.

Ich war in Tel Aviv, hatte den Flug verpasst und kein Geld mehr. Er fragte mich warum.

«Gab es heute Morgen bei Ihnen eine Evakuierung?»

«Oh, das waren Sie?»

Er schenkte mir einen Hotelaufenthalt mit allem drum und ran. Ein Tag mehr in Israel auf Staatskosten.

ISRAEL AUF STAATSKOSTEN

Jetzt fehlte nur noch ein neuer Flug. Laut meinem Ticket ein Ding der Unmöglichkeit. Und laut der Fluglinien-Verantwortlichen vor Ort ein Ding der Unmöglichkeit.

Ich schleimte, bettelte und schrie. Das half.

Dann machte ich mich auf in mein dekadentes Gratis-Hotel.

SOLITAIRE STATT EVAKUIERUNG

Der Ben Gurion Flughafen in Tel Aviv ist gross. Grosse Flughäfen zu evakuieren, ist schwierig.

Ich stand am nächsten Morgen in der Schlange am Check-In. Ihr ahnt es: Das Drama wiederholte sich. Erstes Interview, zweites Interview, drittes Interview.

Dann zum Sonder-Check. Drama wegen meinen Schuhen, dem Busticket und dem falschen Visum. Ich gab einem Security-Mitarbeiter mein iPhone.

An mir wurde nichts Schlimmes gefunden. Und anscheinend spielte der Security-Mitarbeiter während meiner Befragung an meinem iPhone Solitaire.

Wenigsten erreichte ich diesmal meinen Flug und gewann eine wichtige Erkenntnis: Ich fühle mich nirgendwo so sicher wie in Israel.

Und darum wagte ich es auch, mit meiner Familie in dieses Land zu reisen.

Wir sind zurück!
Vom Tourist zur Zielscheibe für Scharfschützen - II

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Familie Mettler

Wir sind eine minimalistische Familie.
Mit unseren Kindern bereisten wir die Welt
- und begannen unser neues Leben
mit vier Reisetaschen.

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