Warum die Weltreise mich hilflos macht

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Als wir uns dazu entschieden auf Weltreise zu gehen, war klar. Wir wünsche uns, Zeit zusammen zu verbringen. Wir wünschen uns herauszufinden, was unsere Werte sind. Und für was wir wirklich leben? Nach einem halben Jahr mein Fazit: Das ist ein unglaublich schmerzvoller Prozess.

FRÜHER KANNTE ICH DIE REGELN

In meinem alten Leben wusste ich genau, wie der Hase läuft. Wie ich mich am besten durch das Leben schlängle. Alles war klar und geordnet. Wann ich was sagen musste, um die andere Person glücklich zu machen. Nicht dass ich mich immer an alle Regeln hielt. Immerhin kannte ich sie und wusste, warum die Person mit böse Blicke zuwirft.

HILFLOS AUF WELTREISE

Jetzt bin ich auf Weltreise. Und damit befinde ich mich in einem luftleeren Raum, in dem keine Regeln mehr zu gelten scheinen. Ich brach alle Zelte ab und bin offiziell ein Niemand, der nirgends lebt. Ich kenne nicht die Regeln der fremden Kultur und weiss nicht, was die Latinos glücklich macht. Und das sind nicht die einzigen Regeln, die wegfallen: Ich habe keine Idee, was mit uns passieren wird und wo wir landen werden. Ich empfinde keine Angst in dieser Situation. Das wäre okay. Ich empfinde etwas viel Schlimmeres: Ich fühle mich hilflos. 

ÜBERFORDERT

Mirjam und mich bewegen viele Themen. Was wollen wir? Wohin wollen wir? Die Welt liegt uns zu Füssen und das sind wir nicht gewohnt. Diese Freiheit, dieses Leben ohne Regeln, dieses Gefühl, das alles möglich ist, das überfordert mich. Ich kann alles machen. Dorthin gehen, wo es mich zieht und von dort weggehen, wo es mir nicht mehr gefällt. Ich kann mein Leben frei gestalten und erfinden. Und entweder habe ich keine oder zu viele Ideen, wie ich das am besten mache.

VIELE FRAGEN, KEINE ANTWORTEN

Fragen, die mich im alten Leben viel weniger beschäftigten: Was sind meine Träume und wo liegen meine Stärken? Was sind meine Werte? In welchem Bereich investiere ich mich? Was ist das Leben, das ich meinen Kindern wünsche und mit ihnen teile? Ich habe tausend Fragen, weil keine Antworten da sind. Zuhause waren die meisten Antworten parat. Wer viele Fragen hat, dem fällt es selbst schwer anzufangen mit Denken.

WARUM JETZT?

Hin und wieder frage ich mich, ob das die Konsequenz dafür ist, dass wir unseren Traum wahr machten? Ich schätze, es ist die Konsequenz für das, was ich jahrelang nicht machte. Mich zu fragen, wer ich bin. Dann, wenn keine Regeln und Antworten mehr da sind. Früher fragte ich mich nicht, wo mein Leben durch soll. Nicht in diesem Ausmann. Jetzt knallt es mir ins Gesicht. Und es liegt an mir, nach Antworten zu suchen. 

EIN VORHERSEHBARES LEBEN

Das musste ich vorher nie. Ob ich mit sechs Jahren in die Schule ging oder nicht, war nicht die Frage. Ob ich nach der Schule eine Ausbildung mache, war eine Frage mit klarer Antwort. Noch klarer war die Antwort auf die Frage, ob ich nach der Ausbildung einen Job suche. Es war klar, wann ich morgens aufstand, wo ich Weihnachten feierte und dass ich zum Frühstück ein Müsli ass.

Gut, hier hast du weniger Auswahl in Sachen Essen, weil es immer Reis mit Bohnen gibt. Das wiederum bringt mich dazu weiterzureisen. Und mich dann zu fragen: Wohin? Vorher war vieles klar und das hielt mich nicht davon ab, Fehler zu machen. Und jetzt fehlen die Antworten und Fehler sind vorprogrammiert.

WAREN WIR NAIV?

Viele Menschen sagten mir vor Monaten, ich sei naiv, weil ich diesen Schritt mache. Und jetzt liege ich in der Hängematte, starre in den Himmel und lasse mir diese Worte auf der Zunge zergehen. Millionen von Sternen scheinen durch den pechschwarzen Himmel. Ich war naiv, weil ich nicht wusste, wie das ist, wenn alle Optionen offenstehen. Welche ergreife ich? Und wo ergreife ich sie?

DIE SITUATION UND UNSERE KINDER

Unsere Kinder sind dabei, wenn wir diesen Prozess durchlaufen. Sie merken, dass wir oft diskutieren und meistens über dasselbe. Sie merken, dass wir unsicher sind und nach Antworten suchen. Ich hoffe, dass sie das verinnerlichen. Diese Frage nach dem Sinn, nach dem wohin? Und insbesondere hoffe ich, dass sie früher ihre Antworten finden. Antworten, die ihr Leben etwas früher in die richtige Richtung steuern. Und nicht erst dann, wenn sie mit 30 auf eine Weltreise gehen. Ich wünsche mir, dass meine Kinder offen leben und nach Antworten suchen. Und ich hoffe, dass sie diese finden.

Wo sind unsere Fahrräder?
Unser Flug in die Karibik

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