«Wir danken Gott für das Fernsehen»

autor mirjam «Wir danken Gott für das Fernsehen»

Latinos lieben Fernsehen. Und eine Sendung, die – wie wir finden – jeder Liebe würdig ist, ist «sueno de navidad.» Eine Fernsehsendung, die zu Spenden aufruft, um Menschen – insbesondere Familien – einen besonderen Traum zu erfüllen. Zum Beispiel den zwei Schwestern aus Boruca: Adelaida und Ofelia.

AUF DEM WEG ZU ADELAIDA UND OFELIA

«Die eine ist taub, die andere ist blind.» Erzählen uns die Borucaner. «Und die Leute vom Fernsehen bauten ihnen ein Haus.»

Eine Weihnachtsgeschichte, für die wir gerne mit den Kindern den steilen Weg besteigen, der zu ihrem Haus führt. Zu einem Haus, das selbst für verwöhnte Europäer ein kleiner Traum wäre.

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«WAS WOLLEN DIE?»

Adelaidas Blick schielte an uns vorbei, als sie zögerlich die Tür öffnete. Sie verstand nichts. Weder, wer wir sind, noch was wir wollten. Ihre taube Schwester Ofelia sass verloren in einer Ecke des Wohnzimmers und nahm keine Notiz von uns.

Adelaidas Sohn half uns und erklärte ihr, warum wir hier waren. Sie blieb etwas verwirrt und setzte sich unsicher auf ihr neues Sofa. In einem der schönsten Wohnzimmer, die wir hier in Costa Rica seit langem gesehen hatten.

ZWEI ZERBRECHLICHE FRAUEN

Sie wirken zerbrechlich, die beiden Frauen. Zerbrechlich und klein. Sie wirken deplatziert in ihrem grossen, modernen Wohnzimmer.
Michael ging mit den Kindern nach draussen in den Garten, während ich das Gespräch mit Adelaida begann. Ofelia verstand mich nicht – nicht wegen der Sprache – und sass abwesend neben ihrer Schwester.

Ich fragte, was die Leute vom Fernsehen für sie machten.

EIN WEITER UNS STEILER WEG

Adelaida begann mir alles zu erzählen. Und ich sass da – nach zwei Monaten Spanisch nonstopp – und verstand kein Wort. Die Sprache einer älteren Frau, die keine Erfahrung mit Ausländern hat. Ich nahm alles auf und bat später eine Bekannte mir alles zu übersetzen.

Sie hätten Glück gehabt, dass das Fernsehen ausgerechnet sie auswählte. Und sie dankten Gott dafür. Bevor sie in dieses schicke Haus zogen, wohnten sie an einem Ort, der seit weg vom Zentrum Borucas entfernt lag. Weit weg von allen Läden, vom Krankenhaus, von der Zivilisation. Von Boruca bis zu ihrem Haus liefen sie einen weiten und steilen Weg.

TRADITIONELL ODER KONSERVATIV

Für zwei betagte Frauen – taub und blind – kein Sonntagsspaziergang. Eine zeitlang, erzählte Adelaida, wohnte ihr Bruder bei ihnen und half. In diesem Jahr verstarb er und Adelaida und Ofelia waren von jetzt auf gleich auf sich allein gestellt.
Das Haus, in dem sie lebten, war nicht mehr als eine Strohhütte. Ein Gebilde, das bei jedem Wind und Regen ein wenig mehr auseinanderfiel.

Hätte ich sie verstanden, hätte ich gefragt, was sie während dem Tropensturm «El Nino» erlebten.

KEINE ARBEIT, KEIN GELD

Mit 16 Jahren bekam Adelaida ihr erstes Kind. Sie lebte mit ihrer Mutter und ihren Brüdern zusammen und war alleine dafür zuständig die Brötchen zu verdienen. Ihr Frischgeborenes blieb daheim, während Adelaida loszog, um nach Arbeit zu suchen. «Meine beiden Brüder arbeiteten mit mir und kauften sich Alkohol für ihren Lohn. Die ganze Verantwortung lag bei mir.» Erzählte Adelaida. «Als unser Chef sah, dass meine Brüder betrunken bei der Arbeit erschienen, feuerte er uns alle drei.»

DIE BÖSEN ANDEREN

Adelaida wusste lange Zeit nicht woher sie das Geld nehmen soll, um ihr Kind zu ernähren. Sie schliefen draussen unter Bäumen, weil sie kein Geld für Miete hatten. «Auf der Suche nach einem Schlafplatz liefen wir stundenlang durch den Regen.» Erinnerte sich Adelaida. Eines Tages fanden sie die verlassene Strohhütte, die für mehr als 30 Jahre ihr Zuhause wurde.

Bekannte und Freunde halfen ihnen dabei das Haus bewohnbar zu machen. Als ihre Kinder 17 und 18 Jahre alt waren, gingen sie nach San Jose, um Arbeit zu suchen. «Ich konnte nicht arbeiten und keine Arbeit suchen und ich kümmerte mich um meine Schwester und um meine zwei Brüder.»

«DANKE GOTT DEM FERNSEHEN»

«Danke Gott dem Fernsehen.» Sagte Adelaida. Die Leute vom Fernsehen bauten ihnen ein Haus. In der Nähe des Spitals, in der Nähe vom Zentrum Boruca. «Als alte Frau mit einer Behinderung ist das Leben schwierig.» Meinte Adelaida. «Es ist gut, dass wir hier sind. Die Herausforderung ist, sich an diesen Ort zu gewöhnen. Wir sind alt und eine Umstellung fällt uns nicht leicht.»

Das einzige was ihnen im Moment fehlt ist Wasser. Das wird nachgeholt. «Wir hoffen bald.» Sagte Adelaida.

DIE KINDER KENNENLERNEN

«Wir bekamen viel Hilfe, dank Gott. Ich kann wegen meiner Behinderung nicht viel machen. Ich kann ein Huhn kochen.» In ihrem vorigen Haus lebten sie mit Tieren, die sie nachholen und einen Stall für sie bauen wollen.

«Willst du meine Kinder kennenlernen?» Fragte ich nach dem Gespräch. Nathan und Elea liessen sich betasten, das Gesicht befühlen und Adelaida wirkte glücklich. Wie eine liebevolle Grossmutter, zu der jedes Kind gerne auf den Schoss krabbelt.

Wir verabschieden uns und liefen den Weg zurück zu unserem Zelt. Etwa ein Kilometer, der unseren Kindern wie ein weiter und beschwerlicher Weg vorkam.

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