Wir sind am Ende. Vom Anfang.

autor michael 2 Wir sind am Ende. Vom Anfang.

Die letzten Tage waren – keine Worte.

Eins ist sicher: Umziehen ist im Vergleich zum Aufbruch zu einer Weltreise ein Zuckerschlecken. Und wir wechselten mehr als einmal den Wohnort. Was wir die letzte Woche erlebten – keine Worte. Der Füdlebluttwahnsinn. Ein Schnelldurchlauf.

DIENSTAG

Mirjam und ich sehen, Stand heute, aus wie zwei Zombies nach einer nuklearen Katastrophe, Mirjam natürlich wie ein schöner Zombie. Am Dienstagabend, nach meinem letzten Arbeitstage, machte ich….

Ich weiss nicht mehr, was da los war.

 

Vergessen? Verdrängt? Ich frage mal Mirjam.

Sie sagt, sie weiss es auch nicht.

 

Zwischen dem einen Absatz und dem anderen fanden wir heraus: Mirjam war mit den Kindern unterwegs um einen Rieseneinkauf zu erledigen und kam erst spät abends nach Hause.

MITTWOCH

Mittwochmorgen standen wir in aller Früh auf. Mirjam putze, wie die Tage davor. Ich spazierte mit Elea und Leo. Wie sonst nie.

Wir besuchten die Grosseltern. Meine Grossmutter kocht wunderbar. Mein Grossvater wurde am Tag zuvor 85 Jahre alt. Und ich wusste: Ich sehe sie wahrscheinlich nie wieder.

Das schüttelte mich emotional durch. Obwohl ich im Normalfall gechillt unterwegs bin, was emotionale Momente angeht. Danach brachte ich Kram und Plunder in die Brocki, warf Abfall fort, Mirjam putzte, sortierte und mittendrin Kinder, Hund und ungelesene Nachrichten.

 

DONNERSTAG

Donnerstag fuhr ich wieder mit einer Ladung Kram durch die Gegend. Besorgte Medikamente, Impfausweise, Taschentücher für den Abschied.
Donnerstag war mein letzter Tag mit Markus. Zu ihm bald mehr.
Ich schrieb Antworten auf ungelesene Nachrichten, telefonierte, traf manch einen live und absolvierte mein Abschlusstraining für den Marathon.

Mirjam? Putzte und sortierte.

Kinder? Verbrachten Zeit mit Mohammad. Nathan machte die Strassen mit seinem geliebten Busfahrer unsicher, während wir das Abschlussgespräch im Kindergarten genossen.

FREITAG

Freitagmorgen. Ich führte ein Interview. Mirjam putzte und sortierte. Nochmals die Grosseltern und einen Freund besuchen. Mit den Kindern letzte Besorgungen machen. Den Tisch abgeben. Und eine Stunde später Freunde zum Besuch empfangen und am Boden essen. Ein Abendesse wie in einer arabischen Nacht. Mohammad war stolz auf uns.

SAMSTAG

Die Tage gaben uns den Rest. Dann kam der Samstag. Abschiedsparty. Dazu bald mehr. Mein Bruder und ich entsorgten den gröberen Rest. Und Mohammad. Mohammad zog an diesem Tag in sein neues Zuhause. Wir nahmen von vielen Leuten am Samstag Abschied. Jeder tat weh. Mohammad, der jeden Tag mit uns unter einem Dach verbrachte – uns von ihm zu verabschieden, schmerzt enorm. Salam aleikum, Bruder.

 

Die Abschiedsparty war toll. Gelungen. Es war super nochmals alle zu sehen, alle zu verabschieden. Am Abend fielen wir ins Bett.

SONNTAG

Am Sonntagmorgen stand ich in aller Früh auf. 1600 Trainingskilometer hinter mir. Vor mir das Ziel: Den Marathon in Luzern unter vier Stunden zu schaffen.

Mirjam putzte und sortierte mit meiner wunderbaren Schwester Die Kinder schauten Youtube.

Abends trafen wir uns alle bei meinen Eltern zum Abschiedsessen. Mirjam im klassischen ewig nicht mehr geschlafen Look. Ich humpelte stolz – den Marathon schaffte ich unter vier Stunden. Ein Abend, der in Erinnerung bleibt. Und mit Tränen und Umarmungen endete.

 

Daheim brachten wir die Kinder auf eine einsame Matratze in einer leeren, klinisch geputzten Wohnung.

HEUTE. MONTAG.

Heute. Montag. Brunch mit Mohammad. Keine Worte dafür, wie er uns fehlen wird…

Mit Tränen in den Augen erinnerte er uns daran, dass Männer im Jemen nicht weinen. Meine Tränen waren nicht für alle sichtbar. Mohammad. Shukran.

Dann ging ich Blut spenden. Tankte Kraft beim Abschiedsessen der anderen Grosseltern. Führte ein Interview in Aarau und fuhr zu den Schwiegereltern. Mit Pizza im Bauch, Tränen in den Augen und Schlaf in weiter Ferne geht ein Abend zu Ende. Morgen wird der letzte Abend sein, hier bei unseren Lieben.

Ich schreibe diesen Blog, während alle schlafen.

Wir sind am Ende.

 

Ich  habe mir die Weltreise anders vorgestellt. Ich bin ein komischer Mensch. Zurückschauen ist nicht mein Ding. Ich schaue vorwärts, nach Costa Rica. La vida loca.

 

Hasta la vista.

Wir haben es gepackt
Weltreise mit kaputtem Fahrrad?

4 Bemerkungen

  • Andrea von Flüe-Wüest sagt:

    Das sind wahnsinn viel emotionen etc.
    Ihr packt das!!!!
    Eine unvergessliche zeit wünsche ich euch.zieht rein!
    Das heisst das auto habe ich nicht gewonnen

  • Christine Paccaud sagt:

    Jetzt, nach all dem Krampf (ohne Fleiss keinen Preis) habt Ihr Abschied von allem und allen Lieben genommen… und wie sagt man so schön? Eure Abschiedstränen werden sich hoffentlich sehr oft in Freudentränen verwandeln in Zukunft!!! Nun liegt das Beste noch vor Euch! Nach einem Ende ist immer ein Anfang,… beginnt etwas Neues… Unerkanntes aber doch unheimlich Inspririerendes und Hoffnungsvolles, sowie auch lebenswertes… eben das LEBEN, wie es ist: Immer im Wechsel und immer im Gang! Das ist es ja gerade! Jeden Augenblick so richtig voll zu leben, wie wenn es der letzte Tag sei – das ist das wahre Leben!
    Da ich nebenberuflich mein freiwilliger 2.-Beruf ausübe: bei Menschen Sterbebegleitung mache, fiel mir oft auf, dass die bald gehenden Personen eigentlich oft nicht nur das Gemachte bereuen, … sondern auch das Nichtgemachte! Also auf was warten wir? Erst nach der Rente leben? Das kann man schon jetzt, auch vorher! Es muss ja nicht unbedingt im Grossen sein, kann auch im Kleinen gelebt werden… man kann sich auch einen kleinen Traum mit einem kleinen Blumentopf auf dem Balkon erfüllen und sich an dieser Blume zu freuen! Wollen wir wie die Ameisen nur arbeiten, ohne Träume zu verwirklichen… bis zur Rente, Geld scheufeln und wie Roboter, einfach nur vorwärts gehen… ohne Sinn und Ziel… und am Ende sich fragen, ja für was und warum habe ich eigentlich gelebt? Ich finde eine solche Bilanz traurig. Aber es ist gleichzeitig nie zu spät, ein neues Leben anzufangen…
    Oder wollen wir uns die Zeit nehmen, das Leben wirklich kennen zu lernen? Was ist eigentlich Leben? Was ist Leben für eine Pflanze… nur wachsen… oder auch gedeihen… sich der Sonne zuwenden… und sich am Leben zu freuen? Für Menschen: Nur ein Herzklopfen… oder doch viel mehr? Ich wünsche mir, dass auf diese Frage einmal alle Menschen antworten können und dies entdecken und das Leben erfahren dürfen… denn wenn man es einmal erfahren hat… ja dann, ist man wahrhaft glücklich! Kein dickes Bankkonto nötig, kein Sportwagen, nicht die besten Klamotten, kein Einfamilienhaus oder auf der höchsten Leiter einer Firma… nein man kann auch ganz unten wahrhaft glücklich sein… es ist eine Frage des Herzens und der Ansicht, wie man das Leben sieht und lebt! Ja und das entdeckt man dann, wenn man sein Herz befragt, was es überhaupt will… und was man überhaupt braucht, um glücklich zu sein…. und das ist im wahrsten Sinne sehr wenig!!! Denn das Leben reicht, es wurde uns ja bereits schon geschenkt! Wenn man das dann mit jemandem teilen kann, dann ist das sehr schön… und wenn man es noch mit mehreren Personen teilt… ja dann ist es immer schöner… wir leben ja nicht alleine auf der Welt! Also beginnt Euer neues Leben mit grosser Freude und Vertrauen! Ihr werdet viele neue Personen kennen lernen, alle gehen ihren eigenen Weg, sind anders, haben andree Ansichten vom Leben… aber alle sehnen sich eigentlich nach dem gleichen: Glücklich zu sein im Leben… ALSO ZEIGT ES IHNEN, WIE DAS GEHT!

  • Agnes Benz "Hand für Afrika" sagt:

    Liebe Familie Mettler,
    eigentlich sollten Sie heute voll Freude und Begeisterung sein, eben nicht dem Frust Platz machen. Nach soviel Vorbereitung – das positive sehen, es kommt schon gut. Ich wünsche mir für Sie, dass Sie beide den Kindern die Freude vermitteln können, die sie dem Alter entsprechend benötigen. Unser aller Leben ist nicht immer Himmelhochjauchzend, oftmals sind wir betrübt. DAs gehört zum Leben. Alles gehört zu unserem Leben auch die Tiefs –

  • Tina sagt:

    Alles Liebe und Gute für eure Reise und immer Luft in euren Reifen.
    In meinen gedanken reise ich sehr gerne mit euch mit.
    Häbet Sorg zu euch.

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