Weltreise mit Fahrrad und ein Survival Trip

autor mirjam Weltreise mit Fahrrad und ein Survival Trip

Treue Leser wissen: Wir sind eine Familie auf Weltreise mit wenigen Plänen. Als wir von Mastatal aufbrachen, hatten wir ausnahmsweise einen Plan. Unser Ziel: Das Meer. Der Strand. Die Küste. Das Glück. Nathan wartete sehnsüchtig darauf, seine Badehose auszupacken.

RAUS AUS DEM DSCHUNGEL

Der schwüle, dichte Dschungel war faszinierend. Nach drei Tagen mit nassen Kleidern und mehr als dreckigen Kindern, waren wir parat für eine Abkühlung und etwas mehr Trockenheit. Der Weg nach unten führte über dieselbe Strasse, die wir mit dem Bus nach oben in den Dschungel fuhren. Und den Bus nahmen wir aus berechtigten Gründen – die Strasse würden Europäer eher als selten benutzter Trampelpfad für Wanderlustige bezeichnen.

EINE ABKÜRZUNG

Egal. Wir kämpften uns steile Wege auf löchrigen, dreckigen Strassen nach oben. Zwischendurch flickten wir einen platten Reifen. Und trafen dabei einen vertrauenswürdig aussehenden Muchacho. Vor uns lagen 20 Kilometer bis zur Küste. «Die können wir uns schenken.» Meinte der Muchacho. Er kenne eine Abkürzung, bei der wir nicht einmal die Hälfte absolvieren. Und die Strecke ist flach!

Pura vida.

EIN WAHRGEWORDENER ALPTRAUM

Naiv wie wir sind, fuhren wir los. Durch eine gottverlassene, asphaltleere und löchrige Strasse. Flach? Weit gefehlt. Das merkten wir etwa auf der Hälfte der Strecke. Und – naiv wir sind – dachten wir: «Weit kann unser Ziel nicht sein.» Wir kämpften uns weiter.

Weiter in den Dschungel, weiter durch den Dreck, weiter bis wir merken, dass es besser wäre, zurückzukehren. Bei dieser Erleuchtung hingen dunkle, graue Wolken über uns. Der wahrgewordene Alptraum.

VILLA IM DRECK

Und da – in unserer Verzweiflung – tauchte sie neben uns auf: Eine zerfallene, verlassene Villa. Mit leerem Pool, einem rostigen Spielplatz, Kokosnussbäumen und einer Tonne mit dreckigem Regenwasser. Und einem Dach! Wie im Himmel.

Jener Himmel, der gerade Eimer über uns ausschüttete. Unsere Fahrräder waren mit klumpigem Dreck von oben bis unten verschmiert. Von uns und unserem Gepäck ganz zu schweigen. All das war wenig dramatisch im Vergleich dazu, dass Nathan Hunger schob und ich eine erbärmliche Packung Haferflocken bei mir hatte. Und trockenes Maismehl.

«SE VENDE»

«Se vende.» Zu verkaufen. Stand auf dem Schild am leicht zerstörten Zaun der Villa. Solange sich kein Käufer findet, bleiben wir Nacht hier gratis. Mein Entschluss stand fest.

Und Michaels Entschluss stand fest: Weg von dieser dämlichen Strasse. Weg von diesem rostigen, dreckigen Hostel ohne eine Menschenseele. Er war bereit durch den Regen zwanzig Kilometer an die Küste fahren. Ich übertreffe Michael selten in Sachen Sturheit – an diesem regnerischen Tag gelang es mir. Und wir blieben.

TORTILLAS IN KNOBLAUCHSAUCE UND MARMELADE

Mit dem Rest Alkohol von Joao zündeten wir ein kleines Feuer an und kochten Tortillas mit Dreckwasser und Maismehl. Als Beilage gab es Marmelade und Knoblauchsauce. Wir genossen jeden Bissen. Und meine letzte Hoffnung war, dass Nathan genug Tortillas bekam, um einzuschlafen.

GRATIS TROPENDUSCHE

Der Bauch war gefüllt. Blieb das Problem mit dem Dreck. Die Räder liessen sich kaum schieben – die Fahrradkette lag unter dem Dreck verschüttet. Unsere Taschen waren in einem ähnlich Zustand.

Unter dem Dach der Villa fanden wir eine Regendusche wie in einem fünf Sterne Hotel. Und mit wärmerem Wasser, als in jedem Hotel hier in Costa Rica.

Nachdem wir uns duschten, putzen wir unsere Fahrräder im Regen.

«TODAY IS REALLY SURVIVAL»

Joao, der in seinem Leben einsam durch den Dschungel lief, in armen Ländern der Welt reiste und tiefen Standard gewohnt war, meinte: «Today is really survival.» Und das war es.

Als wir unser Zelt in der Villa aufstellten, war es mit den Schlafsäcken auf einmal, wie mit den Marmeladen Knoblauch Tortillas: Sie boten ein Gefühl, wie in einem fünf Sterne Hotel. Himmlisch.

Ich sah Michael an, dass dieser Outdoor Trip gar nicht auf der Liste seiner liebsten Aktivitäten stand. Zugegeben, ich wäre lieber in ein warmes Bett gekrochen – mit einem Magen voll mit traditionellen Reis und Bohnen. Andererseits hatten wir einen Dach über dem Kopf und eine Geschichte mehr für unsere Enkelkinder.

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ZURÜCK IN DIE ZIVILISATION

Am nächsten Morgen packten wir unsere besudelten Sachen zusammen und jeder steckte sich eine handvoll Haferflocken in den Mund. Bed and Breakfast.

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Alles wird gut, dachte ich, solange wir Essen haben, bevor Nathan die Haferflocken verdaut. Und es wurde gut. Unterwegs trafen wir die Besitzer der Villla, die uns mit Fruchtsaft und Keksen versorgten. Und über unser Erlebnis schmunzelten.

Eines Tages, meinte Michael scherzhaft, kommt er und kauft die Villa. Wenn er genug Geld zusammen hat, um eine anständige Strasse nach dorthin zu bauen.

Rückblick auf einen Monat Weltreise
Arbeiten - Und Reisen nach Costa Rica

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